| |
Servus und herzlich willkommen zu diesem Interview für das Rising Darkness Magazine! Es ist immer wieder eine angenehme Abwechslung ein Interview mit einer interessanten Band aus Deutschland zu führen!
Klassik meets Metal oder wie ja Euer Plattenlabel das Album anpreist: Wager trifft auf Black. Was haltet Ihr denn von dieser Klassifikation?
Stephan L:
Andreas und ich sind sehr große Anhänger der Kunst Richard Wagners, wodurch uns eine solche Assoziation auf der einen Seite sehr ehrt auf der anderen Seite aber auch etwas nachdenklich stimmt.
Jeder Anhänger Wagners würde eine solche Assoziation aus tiefsten Herzen verneinen, wenn nicht sogar als Beleidigung auffassen. In der Ouvertüre zu E.I.H. sind eindeutige Parallelen zu R.W. erkennbar. In den restlichen Liedern hingegen nur vereinzelt...
Nun einen starken klassischen Einfluss kann man auf jeden Fall direkt auf Eurem Album erkennen! Ist das denn neben Metal die Stilrichtung, die Euch am meisten beeinflusst?
Stephan L:
Klassische Musik hat mich schon immer fasziniert. Ihre Perfektion und Ausdruckskraft ist einzigartig. Diese Musik ist zeitlos... Man trifft sie immer wieder an. In Filmen, Werbung oder Theater... Ein derartiges intensives emotionales Gefüge bot mir ansonsten nur Metal. Betrachtet man zum Beispiel die Atmosphäre früher Katatonia-Ergüsse, oder dem "Death Pierce Me"-Album von Silencer versteht man welche Leidenschaft ich anspreche...
"Ernte Im Herbst" so ja der Titel Eures Albums, handelt ja bildlich gesprochen vom Herbst des Lebens, also dem Zeitraum vor dem Sterben. Wie seid Ihr gerade auf den Lebensabend als Thematik für die Platte gekommen?
Stephan L:
Jeder Mensch erlebt seinen Herbst (Lebensabend), selbst wenn selbiger nur zwei Minuten dauert. Er umgibt uns zu jeder Sekunde. Ich finde es faszinierend. Ich persönliche betrachte jenen Zeitpunkt als den Moment der höchsten geistigen Erfahrung eines Menschen sowohl auf der Ebene des Wissens als auch auf der von Erfahrungen. Eindrücke aus oft mehr als 70 Jahren Leben, Fehler die man belächelnd reflektiert... Jener Abschnitt des Lebens fasziniert mich.
|
| |
Fjoergyn bedeutet ja übersetzt Mutter Natur. Eigentlich müsste es doch dann eher um das Entstehen von Leben (Mutter..) gehen, als um das Ende?
Stephan L:
Diesen Punkt könnte man jetzt über mehrere Seiten anhand von Religion und biologischen Vorgängen im Sinne von Verfall und Werden erörtern, was den Rahmen dieses Interviews aber vollkommen sprengen würde. Schaut man die Religionen an, so ist das Leben eine Prüfung in der man über sein Fortbestehen im Nirvana entscheidet. Die Wiedergeburt steht somit für das Erwachen des Lebens...(Schmetterling) Biologisch: Ein Menschen stirbt verfault und wird eins mit der Erde... Aus ihm erstreckt sich neues Leben und sei er nur Nahrung für Maden, die durch ihn heranwachsen...
Fjoergyn ist die Mutter Natur... Sie umgibt uns in all unserem Handeln... Jede Tat des Menschen entspricht seiner Natur. Sinnbildlich soll Fjoergyn auch für dies stehen.
In jedem Lied begegnet man der Natur auf eine andere Art und Weise, die aber immer in der Grundaussage den Menschen für sein Handeln anklagt. Bis sie sich final an ihm recht...
In diesem Zusammenhang ist mir das Cover von "Ernte Im Herbst" sehr positiv aufgefallen, es ist schön, schlicht und perfekt zum Album prassend. Habt Ihr das Design alleine entworfen und umgesetzt oder hattet Ihr Hilfe von Eurem Label wie so viele Bands?
Stephan L:
Nein, in der Hinsicht bin ich ein Egomane. Das Cover habe ich entworfen. Ich allein weiß, was sich hinter Fjoergyn verbirgt. Kein andere hätte daher ein Cover anfertigen können. Wäre es auch graphisch grandios umgesetzt, wären meine persönlichen Emotionen, die sich hinter der Musik verstecken, nicht erkennbar gewesen.
Der Schmetterling ist ein wunderschönes Lebewesen. In seinem Werdegang anfangs unauffällig wird er nach seiner Verpuppung zu einem farbenreichen Geniestreich der Natur. Symbolisch steht er für Fjoergyn. Schaut man sich das Digi im weitern an, erkennt man, was er erdulden muss...
Der Schmetterling steht ja wenn man es genau nimmt auch für einen Neuanfang, nach der Verpuppung entsteht ein neues, verändertes Leben. Steht das nicht zum Gegensatz zum Herbstmotiv?
Stephan L:
Die Jahreszeiten sind ein in sich geschlossener Zyklus, der jedes Jahr aufs neue beginnt... Aus dem faulen Laub wird über den Winter Humus, der den Frühling des neuen Jahres begrüßt...(Solche Fragen könnte man ewig erörtern...)
|
| |
Habt Ihr Euch denn bewusst für deutsche Texte entschieden?
Stephan L:
Obgleich ich der englischen Sprache problemlos mächtig bin, ist mein Wortschatz zu gering um Texte bzw. Gedichte in englischer Sprache abzufassen. Deutsch ist meine Muttersprache. Diese beherrsche ich...
Schon nach kurzer Zeit des Hineinhörens fallen mir immer wieder mehr oder weniger starke Falkenbach Einflüsse auf. Liegt das nun eher an der Bekanntschaft/Freundschaft mit Vratyas Vakyas oder vielmehr an der Musik der Band?
Stephan L:
Falkenbach begleitete mich seitdem ich 13 bin. Die Tonkunst Vratyas Vakyas gehört zu meiner musikalischen Entwicklung uneingeschränkt dazu. Wollte ich mit Fjoergyn auch frei von Einflüssen bleiben, ist mir dies dem Anschein nach nur bedingt gelungen. Ein Zeichen dafür, wie sehr mich seine Musik bewegt haben muss...
In jedem Interview ist eine meiner letzten Fragen immer auf die Heimat meiner Interviewpartner bezogen! Da Ihr ja aus Thüringen stammt - wenn es mich einmal in Eure Gegend verschlagen würde, was müsste ich mir unbedingt ansehen?
Stephan L:
1.Das Burschenschaftsdenkmal auf der Wartburg
2.Den gesamten Thüringer Wald
3.Weimar
Habt vielen Dank für Eure Zeit und Mühen! Viel Erfolg mit "Ernte Im Herbst" und hoffentlich auf Bald live auf den Bühnen Deutschlands!
Stephan L:
Wir haben zu danken...
martin
|