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Coph Nia
Uncle Al
Coph Nia sind Ketzer und Sünder. In 'The Hall Of Truth', dem Eröffnungsstück des neuen Albums SHAPE SHIFTER zählen die Schweden auf, was sie so alles verbrochen haben und wenden sich gleichzeitig mit einem höhnischen Lachen von Gott ab. Coph Nias düster pulsierender Industrial-Ambient kriecht bedrohlich durch die schwarze Leere des Äthers. Unheimlich wabernde Klangwälle bauen sich langsam auf, brechen aus und ziehen sich dann wieder in die Weiten des Nichts zurück.
So seltsam und unfassbar ihre Musik klingt, schreibt sich auch der Name der Band. Wer sich schon mal mit Aleister Crowley beschäftigt hat, findet in dessen Schriften den Begriff "Coph Nia". Konkret entstammt der Bandname aus Crowleys "Buch des Gesetztes." Dann wird es aber schon wieder vage, denn Crowley selbst verstand nie zur Gänze, wofür dieser Name eigentlich steht. Dass Aldenon Satorial sein Individualprojekt dennoch Coph Nia taufte, hat folgende Gründe: "Crowley behauptet ja, dass das 'Buch des Gesetztes', nicht wirklich von ihm selber geschrieben wurde. Vielmehr soll es ihm von einer Wesenheit namens Aiwaz (nicht zu verwechseln mit der Rune Eiwaz) diktiert worden sein. Es ist bis heute nicht geklärt, ob es sich bei Aiwaz um eine externe Wesenheit oder lediglich um Crowleys Unterbewusstsein handelt", rätselt der nachdenkliche Schwede. Coph Nia, das klingt schön und geheimnisvoll - was sich auch Aldenon dachte, zumal niemand die genaue Bedeutung des Namens zu kennen scheint. Eigentlich heißt er ja Mikael, der Gute. Warum also dieses Pseudonym? "Ich brauchte eben einen magischen Namen, um so richtig cool zu sein", lacht Mikael selbstironisch. "Aldenon nenne ich mich schon seit meinen ersten okkulten Gehversuchen. Den Beinamen Satorial legte ich mir hingegen erst zu, als ich einem magischen Orden beitrat. Näheres möchte ich hierzu nicht verraten. Es sei aber erwähnt, dass beide Namen auf nummerologischen Prinzipien beruhen", raunt es geheimnisvoll durch den Hörer.
Nummerologie, das riecht nach Kabbala, zumal auch Crowley sich mit der jüdischen Geheimlehre eingehend beschäftigte. "Klar, die Zahlenmystik der Kabbala interessiert auch mich, allerdings hält sich dieses Faible in Grenzen. Letztendlich kannst Du aus jedem Wort den Zahlenwert errechnen, den du haben willst, je nachdem, welchen Zahlencode du verwendest. In jedem Magiebuch steht etwas anderes hierzu. Was mich mehr an kabbalistischen Worten interessiert, sind die klanglichen Entsprechungen ihrer magischen Symbole. Das beeinflusst sehr stark meine Musik, die nach kabbalistischen Prinzipien komponiert ist." Die Lieder auf SHAPE SHIFTER sind als Hörbarmachungen dessen zu sehen, was Aldenon empfand, während er die Schriften des verrückten Engländers las. "Wenn man so will, stellen die Lieder nichts anderes als Anrufungen dar. Es handelt sich um Rituale, die magischer und/oder sexueller Natur sind." Dem interessierten Hobby-Satyr sei in diesem Zusammenhang die Lektüre des Liedes 'Hymn To Pan' nahe gelegt. Es erklärt sich von selbst, was Aldenon nun eigentlich genau meint. "Insgesamt gesehen kann man SHAPE SHIFTER jedoch nicht als ein einziges großes Ritual sehen", stellt Aldenon klar. "Hierzu unterscheiden sich die Themen der einzelnen Songs dann doch zu sehr. Was die Lieder ausdrücken sollen, ist, dass Coph Nia seine Gestalt verändert und sich weiterentwickelt", womit der Albumtitel erklärt wäre.
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Kommen wir zu weltlichern Dingen. Was hat es mit der Betonung des Sprechgesangs auf SHAPE SHIFTER auf sich? Früher waren Sie doch nicht so stimmverliebt, Herr Satorial, oder? "Das ist richtig. Ich wollte eine Art Gegenpol zu den altbekannten, ruhig dahin gleitenden Klanglandschaften einführen. Hätte ich mich nicht stärker auf den Gesang konzentriert, wäre SHAPE SHIFTER wohl noch dunkler und bedrohlicher, wie die letzten drei Veröffentlichungen geworden", meint er halb lachend, halb drohend. "Das nächste Album wird aber vielleicht schon wieder ganz ohne Stimmbänder auskommen. Zu viel Gesang ist gleichbedeutend mit zuviel Rock & Roll", lacht er schelmisch. Mal ganz abgesehen davon, ob SHAPE SHIFTER nun rockt oder nicht, wirken tut das Album auf jeden Fall. Es eröffnet Räume, klärt den Geist und zentriert die Kräfte, eben weil es sparsam instrumentiert ist, sich bedächtig fortbewegt und von einer gefassten, hypnotischen Stimme dominiert wird. "Das Album soll reinigen und nicht irgendwie rumlavieren", bringt Aldenon die Sache auf den Punkt. "Zudem ist es mir egal, ob die Hörer nun für den magischen Aufbau des Albums empfänglich sind oder nicht; was zählt ist die Musik. Niemand soll erleuchtet werden", lacht er einmal mehr. Dennoch klingt das neue Album sakral. Immer wieder verleihen entrückt dröhnende Choräle dem Album einen religiösen Anstrich. Dieser rituelle Charakter des Albums verstärkt sich immer dann, wenn ein gefasster, pathetisch donnernder Sprechgesang einsetzt. "Das soll das Gefühl von Schmerz und Einsamkeit unterstreichen", gibt Aldenon Auskunft. "In mancherlei Hinsicht würde ich mich sogar als religiös bezeichnen, allerdings nicht im christlichen Sinne. Die Welt besteht nicht nur aus roher Gewalt und Aggression. Das Sakrale stellt hierzu einen Gegenpol dar, der Schönheit ausdrücken soll."
Aleister Crowley, um diesen Kerl kommt man wohl nicht herum, wenn man sich mit düsterer Musik beschäftigt. Was meint Aldenon? Warum hat der englische Magier in all den Jahren nichts an seiner Faszination eingebüßt? "Ich denke, dass es vor allem sein bizarrer Charakter ist, der die Leute anfangs an ihn bindet. Als ich vor zwanzig Jahren das erste Mal mit Crowley in Berührung kam, suchte ich nach etwas Krassem. Klar, dass mich als Teenager seine antichristliche Gesinnung gefangen nahm. Heute interessieren mich allerdings seine magischen Schriften und nicht seine sinistre Geisteshaltung." Nun haben ja schon viele in die Welt des Aleister Crowley reingeschnuppert und es nach kurzer Zeit aufgegeben, sich in dessen Gedankenlabyrinthen zurechtzufinden. Was empfiehlt sich denn als Einstieg? "Das Grundproblem bei Crowley ist jenes, dass er in jedem seiner Bücher tausend Querverweise zu vielen seiner anderen Werke anbringt. Wenn man diese erwähnten Bücher nicht kennt, schadet das wiederum dem Verständnis des gerade gelesenen Buches. Als ich das erste Mal Crowley las, verstand ich rein gar nichts. Man muss sich eben durchbeißen. Selbst wenn man seine Schriften nicht verstehen sollte, wird man zumindest mit Crowleys sarkastischem Humor belohnt. Im Nachhinein würde ich sagen, dass es am besten ist, zum Einstieg eine Crowley- Biographie zu lesen. Wenn man seine Lebensumstände kennt, fällt es einem leichter, dessen Werke zu verstehen. Andererseits könnte man auch mit einem seiner Romane beginnen. MOONCHILD wäre hierbei sehr zu empfehlen. Vielleicht ist aber auch DAS BUCH DER LÜGEN, zu dem ich immer wieder zurückkomme, eine gute Wahl."
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"Uncle Al", wie Aldenon Crowley scherzhaft nennt, taucht auch unter anderem Namen auf SHAPE SHIFTER auf; stammen doch die Texte, die Master Therion verfasst hatte, ebenfalls von Crowley. "Master Therion ist eines der Pseudonyme, die er verwendete. Klingt ja auch irgendwie cooler, oder?", kichert Aldenon. Zu den Texten an sich möchte sich Aldenon jedoch nicht äußern, sind sie doch zu okkult und tiefenmagisch. Würde er sie erklären, verlören sie den Reiz des Geheimnisvollen. Dennoch verschließt sich Aldenon nicht ganz. Auf die Frage, was denn ein 'Prime Mover' sei, antwortet er: "Damit ist die Urkraft gemeint, die Energie, die alles in Bewegung setzt. Den Ausdruck habe ich von The Leather Nun, einem schwedischen Industrialurgestein, geklaut. Damals fand ich die Band noch richtig klasse. Heute sind sie zu einer seltsamen Rock & Roll- Band verkommen. Mittlerweile sind die für mich so etwas wie "Heidnische Biker", dröhnt es lachend durch den Hörer. "Damals waren The Leather Nun jedoch noch tief in der nordischen Mythologie verwurzelt. Aus der Retrospektive heraus gesehen würde ich sagen, dass mit dem 'Prime Mover' nichts anderes gemeint ist, als Odin." Die Bedeutung der Worte erachtet Aldenon jedoch nicht als das Maß aller Dinge: "Meiner Meinung nach kommt es nicht so sehr auf den Inhalt des Gesprochenen an. Als wichtiger erachte ich dessen Intonation. Nicht nur der Klang einer Stimme verursacht ein Schaudern, sondern auch ihre magische Qualität", atmet er abschließend nachdenklich aus.
Mabon
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