Interviews      Burden Of Grief - via mail 06.01.2003

  


  


Zu aller erst möchte ich Euch einmal willkommen heißen und Euch für die Zeit, die Ihr Euch für dieses Interview nehmt danken! Schön mal wieder ein Interview in Deutsch zu haben!

Ihr seid ja nun mittlerweile im zehnten Jahr Eures Bestehens. Wenn Ihr nun einmal einen Rückblick wagt zu den Tagen Eurer Gründung - seid Ihr dann zufrieden mit dem was Ihr geschaffen habt?


Philipp:
Ich denke, wir können recht zufrieden sein mit dem, was wir bisher erreicht haben. Man muss aber bedenken, dass wir alle musikalischen Erfahrungen, die wir gemacht, nur mit BURDEN OF GRIEF gemacht haben. Wir haben zuvor in keinen anderen Bands gespielt. Somit dauerte es natürlich einige Jahre, bis wir einen gewissen Qualitätsstandard erreicht haben. Richtig los ging es vor allem 1999/2000, als wir unseren ersten Plattendeal erhielten und unser ersten offizielles Album veröffentlicht haben. Darauf folgten dann die ersten größeren Konzerte usw.


Nun, in etwa drei Jahre hat es ja gedauert, bis zum Erscheinen Eures neuen Albums "Fields Of Salvation" nun Ende Januar 2004. Meiner Meinung nach kann man diese Zeit dem Album durchweg anhören. Ausgefeilt, detailliert mit stetem Wechsel zwischen Aggression und Melancholie. Habt Ihr denn die vollen Jahre zum Erarbeiten dieses Albums benötigt oder gab es da auch andere Dinge, die zu dieser Wartezeit geführt haben?

Philipp:
Eigentlich waren wir ziemlich genau 2 Jahre nach unserem "On Darker Trails"-Studioaufenthalt erneut im Studio. Diesen Rhythmus von 2 Jahren hatten wir zuvor auch immer schon und macht auch Sinn unserer Meinung nach. Verzögernd kam dieses Mal hinzu, dass wir die Plattenfirma gewechselt haben und somit einige Dinge zu regeln hatten. Das Album ist eigentlich schon seit einem halben Jahr fertig, kann aber jetzt erst veröffentlicht werden. Außerdem kam unser letztes Album Ende 2001 und das neue Album Anfang 2004. Es täuscht also etwas... Dennoch haben wir wirklich dieses Mal besonders ausgiebig am neuen Material gearbeitet, das stimmt schon.


Euren Bandnamen habt Ihr ja soweit ich weis aus einem Lied von My Dying Bride genommen. Entspricht denn die Musik von My Dying Bride und die Stimmung, die sie erzeugt auch Eurem Musikgeschmack und ist passend zum Namen?

Philipp:
Ein Teil von uns mag My Dying Bride nach wie vor sehr gerne. Es ist aber nicht die Art von Musik, die wir uns jeden Tag anhören würden. Der Name BURDEN OF GRIEF stammt in der Tat aus einem My Dying Bride- Song, hat aber nicht unbedingt etwas mit der Musik oder deren Stimmung zu tun. Man kann vor allem unsere Musik überhaupt nicht mit der von My Dying Bride vergleichen. Aber der Name hat uns allen gefallen, da er außergwöhnlich ist und wir nicht Gefahr laufen, dass es noch eine andere Band mit diesem Namen gibt.


Fields Of Salvation - Felder der Erlösung, so der Titel Eures brandneuen Albums. Wenn ich das Cover näher betrachte, so komme ich aber zu der Meinung das ich auf eine Erlösung dieser Art lieber verzichten möchte. Ist das denn Eure persönliche Auffassung von Erlösung?

Philipp:
Viele unserer Texte behandeln die Frage nach dem Sinn des Lebens. Es sind Fragen, die sich jeder Mensch schonmal in verschiedenen Situationen gestellt hat. Viele Menschen sind mitunter mit ihrem Leben so unzufrieden, dass für sie der Tod eine Erlösung ihres Leides darstellt. Das soll nicht heißen, dass wir alle suizid-gefährdet sind, im Gegenteil. Aber eine Auseinandersetzung mit diesem Thema kann sehr interessant und aufschlussreich sein. Der Titel "Fields Of Salvation" hat keinen direkten Bezug zu einem Text, daher ist auch das Instrumental unser Titeltrack. Aber er passt ganz gut als "Überschrift" zu vielen unserer Texte.


Auch wenn ich auf diese Art der Erlösung gern verzichten kann, so hat mir doch das Cover ziemlich gut gefallen - wie das Ende der Welt, das die Menschheit irgendwann mit Sicherheit noch zustande bringen wird mit Ihrer Ignoranz und Machtbesessenheit! Was denkt Ihr? Eine - leider - realistische Vorstellung?

Philipp:
Dass das Ende der Welt nur noch eine Frage der Zeit ist, davon bin ich leider überzeugt. Die Kriegstreiberei vieler Völker (nicht nur der Amis) und die Rücksichtslosigkeit vieler Menschen unserer Natur gegenüber wird der Weltbevölkerung noch sehr viele Probleme bereiten. Ich bin aber dennoch kein pessimistischer, depressiver Mensch, weil das Leben viel zu kurz ist, um sich die ganze Zeit Gedanken darüber zu machen. Ich versuche das Leben zu genießen. Unsere Texte beziehen sich, wie oben bereits erklärt, eher auf individuelle Gedanken einzelner Personen, welche mitunter eher nachdenklich sein können.


Was meint Ihr, werdet Ihr jemals eine Antwort auf den Sinn des Lebens finden? Wenn ja, was ist Eurer Meinung nach der "Sinn des Lebens"?

Philipp:
Es geht uns nicht darum, in unseren Texten DEN Sinn unseres Lebens zu entdecken. Es geht vielmehr um die Verarbeitung von Gedanken, die man u.U. selbst schon gemacht hat, aber auch um fiktive Gedanken, die nicht unbedingt mit der eigenen Person verbunden sein müssen. Wenn es in einem Text um eine Person geht, die sich aufgrund besonderer Probleme im seinem Leben die Frage nach dessen Sinn stellt, so sind es nicht zwangläufig unserer eigenen Probleme...

  



  

Vor nun etwas zwei Jahren gab es neben einem Metallica Coversong ja auch einen musikalischen Ausflug von Euch ins Iron Maiden Lager, der mit einer interessanten Version von Prowler endete. Wie seid Ihr gerade auf diesen Titel gekommen? Persönliche Gründe oder ein Angebot von Nuclear Blast?

Philipp:
IRON MAIDEN ist die Band, die uns alle in der Band am meisten vereint. Wir alle lieben diese Band seit vielen Jahren und von daher lag es nahe einen Cover-Song von Ihnen zu wählen, zumal der Maiden-Stil nicht so ähnlich mit unserem ist, er sich aber wunderbar in unsere Musik integrieren lässt. Dass wir "Prowler" ausgewählt haben, hatte keinen besonderen Grund. Es hätte auch jeder andere sein können. Aber wir haben damit Glück gehabt, denn bisher kenne ich keine andere Cover-Version von diesem Song. Ich bin auch sehr stolz darauf, dass beide Cover-Songs von uns auf diesen beiden Tribute-Alben gelandet sind, da es sehr hochwertige Releases sind und wir dort in sehr illustrer Gesellschaft sind.


Auf Eurer Website habe ich bei Euren Biografien immer wieder den Herren der Ringe als Lieblingsfilm gefunden. Habt Ihr denn auch das Buch gelesen oder seid Ihr erst durch die Verfilmung darauf gestoßen?

Philipp:
Ich muss leider zugeben, dass ich bisher einfach nie die Zeit gefunden habe, dieses Buch zu lesen. Ich habe privat einfach immer zu viel um die Ohren. Um den Film aber genießen zu können, war es wahrscheinlich besser, das Buch nicht zu kennen. Viele Tolkien-Fans sind zwar ganz angetan von dem Film, vermissen aber sehr viele Details. Ich habe mir aber vorgenommen, nach meinem Studium im Sommer diesen Jahres die Bücher zu lesen.


Ihr habt ja neben Eurer Musikalischen Karriere auch ein gut Bürgerliche Begonnen wie etwa Wirtschaftswissenschaftsstudium, Tischler, etc. Wie sieht es denn heute mit Euch aus? Studium angeschlossen und immer noch in den alten Berufen zwangsweise tätig?

Philipp:
Teils, teils. Ich bin noch am Studieren, werde aber im kommenden Semester mein Diplom schreiben. Was danach passiert kann ich noch nicht sagen. Unser Bassist Dirk studiert auch noch in Essen, ist aber noch lange nicht soweit wie ich. Und der Rest von uns arbeitet auch so vor sich hin. Die Illusion von der Musik leben zu können, haben wir nie gehabt. Uns war von Anfang an klar, dass bei dieser Art von Musik kaum ein Cent übrigbleibt.


Was meint Ihr, wird man in zehn Jahren Bandgeschichte weiser und erfahrener, aber auch ruhiger und mit weniger Alkohol zufrieden?

Philipp:
Ja, irgendwie schon. Erfahrungen macht man zwangsläufig, wenn man mit der Band unterwegs ist, viel live spielt und regelmäßig im Studio ist. Auch der Alkohol-Konsum hat deutlich abgenommen bei uns zugunsten einer besseren Koordination auf der Bühne. Das heißt aber alles nicht, dass wir keinen Spaß mehr mit der Band hätten und alles nur noch Routine wäre. Im Gegenteil, es kommen ja immer mehr große Gigs und Festivals hinzu, die natürlich ordentlich Spaß machen und die wir früher nicht gehabt haben...

  



  

So weit, so gut! Habt nochmals vielen Dank für Eure Zeit, weiterhin Erfolg, vor allem auch für "Fields Of Salvation"!


martin



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