Interviews      Blind Guardian - via Phone 29.05.2003


  


  


Als erstes natürlich möchte ich Dich ganz herzlich willkommen heißen. Ich freue mich wirklich sehr, dass ich die Möglichkeit zu diesem Interview mit Euch bekommen habe! Ich hoffe mal nicht, dass ich Dir Dein ganzes Wochenende durcheinander bringe. Wie ich gerade erfahren habe, endet Deine Arbeitswoche ja noch nicht nach unserem Gespräch.

Eure aktuell am 14.06.04 in die Läden kommende Live-DVD "Imaginations Through The Looking Glass" ist ja eigentlich eine Reise durch die gesamte Bandgeschichte. Ich würde daher ganz gerne mal in Eurer Vergangenheit anfangen. Wenn Du mal so auf die Schnelle an die Zeit zurückdenkst, als Blind Guardian noch eine Schülerband war und jetzt mit dem vergleichst, was Ihr geschaffen habt, was denkst Du? Hättest Du Dir das jemals träumen lassen, bzw. vermisst Du manchmal diese doch mit Sicherheit unbeschwerteren Zeiten damals?


Hansi :
Die Zeiten waren in jedem Fall unbeschwerterer. Die vermisse ich teilweise doch sehr weil, wie Du ja gerade schon so schön sagtest, dass es dadurch, dass es eben eine Schülerband war, damals einen extremen Funcharakter gehabt hatte. Da ist man zwar dann auch seriös an die Proben herangegangen, aber man hatte immer noch genug Freiraum, um sich dann trotzdem drei, vier, fünf Flaschen Bier mitzunehmen und die auch während der Probe zu leeren. Das ist heute gar nicht mehr so! Das ist heute dann sehr konzentriert und auch fokussiert, wenn wir uns treffen. Und auch wenn wir alleine an den Sachen arbeiten, da würde niemand mehr auf die Idee kommen, sich eine Flache Bier mitzunehmen. Und logischerweise waren damals auch wesentlich mehr Leute im Proberaum und waren von unserer Seite auch echt gern gesehen. Heute wenn jemand anklingelt oder anklopft, kriegst Du schon Bauchschmerzen, weil du weißt, eigentlich müsste ich und möchte ich noch ein bisschen an dem Zeugs arbeiten und ich werde jetzt eine Stunde, zwei oder drei aufgehalten je nachdem, wer da gerade kommt. Es ist allerdings auch weniger geworden und das vermisst man natürlich auf der anderen Seite auch.


Ja klar, Zeit ist kostbar geworden!

Hansi :
Zeit ist kostbar geworden, ja. Aber auch für die anderen Leute! Das ist nicht nur so, dass von unserer Seite da ein Riegel vor geschoben worden ist. Die Leute, die damals kamen und siebzehn, achtzehn waren vor dreizehn, vierzehn Jahren, die stehen jetzt natürlich auch im Berufsleben und haben dementsprechend weniger Zeit. Und unsere musikalischen Ansprüche sind natürlich auch dementsprechend gewachsen. Auch wenn wir damals doch ganz ansprechende Musik gemacht haben und auch schon gut Songs geschrieben haben, waren die Strukturen trotzdem nicht so wahnsinnig kompliziert, so dass man da auch einfach schneller zu einem Resultat gekommen ist. Heutzutage müssen wir da doch etwas anders dran rumdoktern!


Ganz klar! In diesem Sinne, was denkst Du, war Eure Schulzeit damals so wie man sie sich denn wünschen konnte - abgesehen mal von der Schule selbst. Vor allem natürlich im Bezug auf Eure Band?

Hansi:
Zumindest in der Anfangszeit war es perfekt! Dadurch, dass wir alle noch zur Schule gegangen sind, hast du natürlich auch entsprechende Freiräume gehabt, so kreativ zu sein. Richtig viel Zeit haben wir aber auch damals schon im Proberaum verbracht! Diesen Freiraum und auch diesen freien Kopf so kreativ zu sein, hast du nicht, wenn du im Berufsleben stehst oder wenn dir die Schule wirklich so sehr am Herzen liegt, dass du sie seriös durchziehen willst. Wir haben eigentlich von Anfang an, als wir uns zusammen getan haben die Band in den Vordergrund gerückt und uns dementsprechend auch in der Schule nicht mehr wirklich ins Zeugs gelegt. Der ein oder andere ist damit besser klar gekommen und die Abschlüsse, die wir dann letztendlich bekommen haben, sind dann doch in der Regel ganz manierlich geworden.


Na, das ist doch dann auf jeden Fall ausreichend!

Hansi :
Ja, ich bin dann nachher ja sogar noch in eine Ausbildung gegangen oder besser gesagt, musste in eine Ausbildung gehen, die ich dann auch zu Ende gebracht habe. Die hat mir dann auch noch so ein paar kaufmännische Kleinigkeiten mit auf den Weg gegeben, einfach ein bisschen Know How. Das fand ich aber wesentlich unproduktiver als die Schulzeit, weil Schule - so blöd wie es vielleicht klingt - die bildet nicht nur, die kann auch inspirierend sein. In gewisser Weise war die auch zumindest für gewisse literarische Inspirationen nicht unwichtig!


Mit Sicherheit. Allerdings eben nur, wenn man auch die entsprechenden Lehrer hat!

Hansi :
Wenn man die richtigen Lehrer hat, ja! Aber das sind oft auch einfach so Kleinigkeiten im Leben, die dann dazu führen dass man Interessen entwickelt. Also ich könnt jetzt nicht sagen, dass ich in den frühen Jahren irgendwelche Deutschlehrer gehabt hätte, die mir das Lesen oder überhaupt Literatur nahe gebracht hätten! Aber dann irgendwann, irgendwo, kommst Du mal an die dementsprechende Person und fängst auf einmal an, dich dafür zu interessieren.


Das stimmt! Nun ein Jahr in etwa nach der Veröffentlichung Eures wirklich sehr schönen Live-Albums - auf dem ich logischerweise als einziges die schöne Blind Guardian Show und natürlich die perfekte Live- und Lichtshow vermisst habe - werde ich ja nun mit Eurer Live-DVD sozusagen belohnt für die lange Wartezeit!

Hansi :
Ja zum Glück! Wir hatten es ja ursprünglich so geplant, dass wir eigentlich mehr oder weniger zu dem Live-Album auch eine Live-DVD herausbringen wollten, die eventuell von den Songs her fast deckungsgleich hatte sein sollen. Auch von den Locations her. Nur es hat sich relativ schnell herausgestellt, dass während der Tour das Aufnehmen der Songs an und für sich kein Problem gewesen ist, nur das Realisieren des Bildes ein großes Problem dargestellt hat. Wir hätten da doch schon extreme Abstriche machen müssen und eher ein ja ich sag mal Underground-Video oder DVD veröffentlichen müssen. Das wollten wir natürlich nicht und deswegen war es für uns eine gute Sache, dass dann relativ frühzeitig während der Blind Guardian Tour feststand, dass wir zum Abschluss dieses Festival machen wollen.

  



  

Genau, und das habt Ihr ja auch dafür genutzt, um im Endeffekt dann alles in sehr schöner Qualität zusammenzusetzen. Und ich denke, es ist auch schöner, einfach ein ganzes Konzert zu haben, als wie viele, die dann immer nur einzelne Songs aneinander reihen!

Hansi :
Ja! Find ich auch! Da ist dann auch der Reiz aus Sound und audiotechnischer Sicht im Vergleich zur Blind Guardian Live. Die haben wir ja weltweit mitgeschnitten. Und in Coburg klar waren auch zwei Shows, aber trotzdem musste da alles auf den Punkt zusammen kommen und das hat glücklicherweise auch recht gut funktioniert! Da denke ich, hat uns das Aufnehmen der kompletten Welttournee und die Erfahrung, die wir auch im Bildtechnischen Bereich während der Blind Guardian Tour gemacht haben doch sehr geholfen. Wir wussten eben schon, worauf es ankam, das heißt die Filmtechniker konnten sich mit unseren Lichttechnikern absprechen, die Soundtechniker mit den Front Of House Leuten, sodass da auch eine perfekte Abstimmung möglich gewesen ist. Es gibt auch so viele Kleinigkeiten, die man im Vorfeld selbst wenn man wirklich viel Ahnung hat, nicht berücksichtigen kann. Da ist einfach so viel Erfahrung notwendig. Das war natürlich optimal während der letzten Welttournee, dass wir diese ganzen Erfahrungen einfach sammeln konnten. Du hast zum Beispiel in der Regel echte Probleme mit der Mikrofonfierung des Publikums. Solche Erfahrung konnten wir nun wie gesagt auf der letzten Tour zu Genüge sammeln. Deswegen hatten wir dann eine recht große Chance - die wir dann auch genutzt haben - das alles dann beim Festival richtig zu machen. Wobei man sagen muss, selbst der erste Tag ist mikrofontechnisch schlechter ausgerichtet gewesen als der Zweite. Da gibt es immer so Kleinigkeiten. Und bildtechnisch nach allem was ich gehört habe war das ähnlich.


Ja und aus solchen Fehlern kannst Du immer nur lernen, klar!

Hansi :
Du lernst. Ja, du lernst in großen Schritten! Die Frage ist nur, wieviel du davon behältst!


Das ist klar! Das ist die andere Sache, hehe! Wobei trotz allem ein großes Lob, auch bei der CD damals war es wirklich gut zusammen geschnitten, man hätte fast denken können, es ist nur ein Konzert!

Hansi :
Ja, wir haben uns wahnsinnig viel Mühe gegeben und auch da schon ziemlich viel im Vorfeld abgeklärt. Aber Du hast natürlich trotzdem wesentlich größere Schwierigkeiten da einen Mix hinzulegen, der organisch klingt, wenn Du zum Beispiel von einer 6000er Show auf eine 400er Show springst. Was eben auch auf der Live Schiebe passiert ist und passieren musste. Und wir wollten es ja auch nicht anders haben. Von daher denke ich mal, war es für den Charlie Bauernfeind fast noch eine größere Herausforderung. Und du musst auch kucken, dass du die Sounds angeglichen kriegst. Jede Halle kling natürlich ein kleines bisschen anders. Dadurch klingen die Instrumente ein kleines bisschen anders. Und das dann so homogen zu gestalten, war schon echt eine ziemliche Herausforderung!


Absolut! Ist aber auch wirklich gut geglückt!

Hansi :
Ich bin auch super glücklich! Ich meine, auch die "Tokio Tales" ist nach wie vor ein Live-Album mit dem wir sehr gut leben können, aber die Idee und das Konzept des letzten Live-Albums gefällt uns eigentlich besser.


Das kann ich Dir nur bestätigen! Im ersten Moment, als ich das Promo-Video mit diesen ganzen Ausschnitten der DVD "Imaginations Through The Looking Glass" bekommen habe, habe ich mich zunächst einmal etwas darüber gewundert, aber mir ist sehr schnell klar geworden, dass man wenigstens auf diese Weise recht gut vermeiden kann, dass schon wieder die halbe DVD im Internet steht, bevor sie überhaupt veröffentlicht wird. So schön wie das Internet nun in vielen Dingen ist, für einen Musiker muss dieser ja doch fast rechtsfreie Raum ziemlich frustrierend und teuer sein, oder?

Hansi :
Ja der ist zum Glück ja nicht mehr so ganz rechtsfrei! Wenn ich mir so ankucke, was die Industrie im Moment so veranstaltet und auch wirklich headhuntermäßig auf Privatpersonen losgeht, wird ziemlich schnell klar, dass es nicht mehr so rechtsfrei ist. Ich sag jetzt mal, die Industrie hat sehr gelitten und man muss alles tun, um sein Produkt zu schützen. Der Ottonormalverbraucher macht sich ja wirklich keine Gedanken darüber und ich finde es in der Regel auch nicht schlimm, wenn sich jemand was runterlädt, der entweder eh kein Blind Guardian Käufer wäre oder sich dann danach bei Gefallen dieses Teil so oder so zulegt. Nur für mich sind da viele Leute doch sehr egoistisch, gerade die jungen Leute, die haben überhaupt nicht mehr die Kultur! Ich glaub unser normaler Fan, der so zwischen sechzehn und fünfunddreißig ist der hat noch so viel Moral, dass der sich dann, wenn es ihm gefällt, auch ne DVD oder CD kauft, aber häufig trifft das jetzt gerade die ganz jungen, die kennen das gar nicht mehr. Die kennen nur noch rippen und saugen und brennen und so, hehe. Wahrscheinlich auch, weil der Wert einer CD nicht so hoch anzurechnen ist wie der einer Schallplatte damals. Keine Ahnung, ob das der Grund ist oder ob es einfach eine ganz normale Entwicklung ist, weil die Leute auch nicht so viel Geld haben, gerade in heutigen Zeiten, aber es ist ganz komisch!


Ja, ich muss sagen, ich kann das auch nicht richtig nachvollziehen. Es gibt doch nichts schöneres als eine gesamte CD mit Cover, mit Booklet, mit allem zu haben!

Hansi:
So geht's mir auch! Aber das sind wahrscheinlich Fans und dann gibt es so eine graue Masse an Leuten, die zwar gerne Musik hören, aber denen es wahrscheinlich wirklich egal ist. Die im Enteffekt dann entscheiden, dass die ihr Geld für - keine Ahnung - Freeclimbing oder was weis ich auch ausgeben! Mir fällt es auch immer schwer, sich vorzustellen, wofür die ihr Geld ausgeben. Ha, für Klingeltöne vielleicht, hehe!


Ja genau, hehe, stimmt! Das ist natürlich ein teures Hobby heutzutage! Solang es dann wenigstens Blind Guardian Klingeltöne sind!

Hansi :
Hehe, ja hm, würde ich dann auch bevorzugen, hehe!

Nun das war einmal der Grund für die Videokassette. Ein anderer Grund war, dass es bei einer DVD tatsächlich schwer ist, irgendwas an den Mann zu bringen bevor das Ding nicht durch die Presswerke gegangen ist. Also sprich mit anderen Worten tatsächlich schon die Testpressungsphase vorüber ist. Und wir befinden uns eigentlich noch in diesem Stadium, dass da fleißig versucht wird zu pressen und immer irgendwelche technischen Fehler auftauchen, die noch behoben werden müssen. Das heißt von der Programmierung sind da durchaus noch Sachen, die es zu klären gilt bevor die dann endgültig am 14.06.04 hoffentlich auch erscheint.
Das ist auch noch mal das Spannende. Das sind so Sachen, die wir auch gar nicht auf dem Schirm hatten, dieses ganze Programming. Das läuft ja alles noch anders ab als bei einem Album. Der erste Schock war Bild und Ton zusammenzubringen, was aber dann noch relativ gut über die Bühne ging. Das zweite Problem war, die Anlage des 5.1 Sounds (Dolby), was dann schon etwas komplizierter war, exakt diesen 5.1 Sound zu enkodieren, so nennt sich das, war dann schon ein riesen Abenteuer. Vor allem mit so wenig wie möglich Verlust an Soundqualität. Und jetzt am Schluss noch die Programmierung der einzelnen Menüpunkte und auch das Vernetzen der einzelnen Sachen untereinander. Puh, das war so ein wahnsinniger Arbeitsaufwand, damit haben wir echt nicht gerechnet.


Das bringt natürlich einen Haufen Zeitaufwand mit sich, klar!

Hansi :
Das bringt Zeit mit sich, klar und dann kommen da noch ein Haufen Leute, die das für dich machen wollen und die das logischerweise auch nicht umsonst machen wollen und können.


Absolut, absolut! Ein Song auf der Bonus DVD, die auch dabei ist, habt ihr ja in Wacken 2002 aufgenommen. Ich hatte zum Glück die Möglichkeit, Euch dort zu sehen, absolut beeindruckt von der gesamten Licht- und Bühnenshow. Wie ging es Euch in dieser Situation? Für viele ist ja Wacken eigentlich das Festival, beziehungsweise der Live-Auftritt überhaupt! Ist es für Euch auch etwas besonderes, dort zu spielen?

Hansi :
Ja, gerade jetzt auch als Headliner. Wir haben ja schon drei Mal dort gespielt und immer in einer Headliner- oder Coheadliner-Position. Aber dieses Mal waren wir der uneingeschränkte Headliner und hatten auch noch das Privileg vor ich glaube 30.000 oder 40.000 Leuten zu spielen, die auch noch super drauf gewesen sind! Von daher war und ist Wacken trotzdem eigentlich das wichtigste Festival.


Also es war wirklich eine irre Atmosphäre! Es war bitter voll, das hab ich so echt selten erlebt!

Hansi :
Haha, ja für uns war es schön! Hat auch echt Spaß gemacht, nur jetzt um da die komplette DVD abzuhandeln, fehlen dir da einfach die technischen Voraussetzungen.

  



  

Klar, auf einem Festival mit so vielen Bands, das kann nie perfekt sein.

Hansi :
Ja und die Filmcrew und die Audiocrew, die da ist, die ist ja in der Regel auch für alle verantwortlich und zuständig, so dass du nur sehr schwer Sachen mit denen absprechen kannst. Wir hatten mit der Filmcrew als Beispiel ne ganze Menge Sachen abgesprochen und die haben auch versucht, sich an sehr viele Sachen zu halten. Im Eifer des Gefechtes dann haben die aber doch einige Kriterien ausgelassen, nämlich die massiver Publikums Shots, die wir auf der Coburg-DVD nun in Massen haben, die haben uns da gefehlt, so dass wir zwar sehr schönes Bildmaterial haben und auch noch ein paar nette Songs noch, die man mal in Zukunft bestimmt für die ein oder andere Sache gebrauchen kann, aber im Vergleich zu dem, was wir in Coburg dann gesammelt hatten, da ließ es sich nicht wirklich mit messen. Und da auch wieder dieses Mikrofonierungsproblem. Aus welchen Gründen auch immer, es war kaum möglich, einen guten Sound für uns einzufangen. Obwohl wir mit sehr guten Leuten gearbeitet haben, die sich auch wirklich viel Mühe gegeben haben. Es gibt dann einfach so bestimmte Sachen, da hängen zum Beispiel die Mikrofone am Front Of House Mixer vorne und zwar genau unter dem Dach und da hast du dann schon verloren, weil sich nur ein sehr komischer Klang dort wiederfindet, der nur sehr schwer einzumischen ist. Dann hast du schon wieder einen etwas sterileren Sound auf Audiowegen, so dass der Reiz nicht ganz so groß ist.


Klar! Und ich denke auch, wenn man so was macht, dann sollte man es auch perfekt machen, so wie Ihr das auch gemacht habt!

Hansi :
Ja! Aber wie gesagt, das ist gewachsen, wir hatten anfänglich auch etwas andere Pläne und mussten dann einfach selbst feststellen, für uns geht's nur so oder gar nicht. Wir hatten uns dann ja auch mit den zuständigen Leuten, die uns auch ein paar mal schon gefilmt haben und wir eigentlich gar nicht so hundertprozentig zufrieden gewesen sind mit den Konzepten wieder und wieder zusammengesetzt und mit denen gequatscht und uns auch zig DVDs angesehen, die für uns Referenzen hätten sein können und sind letztendlich bei der U2 "Live In Boston" gelandet. Die fahren da ein ähnliches Konzept. Natürlich noch aufwendiger und noch gigantischer. Aber wenn man sich das anguckt und dann auf Kameraführung und so kleine Stilelemente Rücksicht nimmt, dann wird man schnell feststellen, das ist die Referenz, die für uns entscheidend gewesen ist.


Um das Ganze mal ein bisschen aufzulockern, Du hat auf Eurer Homepage als Dein Hobby Homebanking angegeben. Hat das einen bestimmten Grund?

Hansi (lacht) :
Nun ich bin ja nach wie vor für die Blind Guardian Geschäfte zuständig und das ist dann so eines der Sachen, wo ich dann doch so zwei, drei Stunden am Tag meine Zeit mit verbringe! Da gibt es dann diverse Banken mit unterschiedlichen Onlinebankingmethoden. Um sich da dann durchzufinden, muss man das dann quasi zu seinem Hobby machen, hehe!


Um noch mal auf der Homepage zu bleiben, es gab da ja vor einiger Zeit mal ein Gewinnspiel mit zehn Fragen, wobei ja allerdings scheinbar niemand alle zehn Fragen beantworten konnte. Ist Dir eigentlich aufgefallen, dass nur ein einziger Preis nach Deutschland ging, der ganze Rest ist um die weite Welt verteilt gewesen. Ein absolutes Zeichen für Euren weltweiten Erfolg?

Hansi :
Ja, das stimmt! Vor allem wundert man sich dann doch, wie viele Informationen diese Leute über einen besitzen. Das, was klein in Deutschland anfing und dann so ein bisschen nach Japan übergeschwappt ist, ist dann glücklicherweise für uns ein weltweites Ding geworden!


Absolut! Das ging von Brasilien bis sonst wohin! Wahnsinn!

Hansi :
Die Brasilianer waren aber auch von Anfang an schon immer sehr rege! Die sind ja auch bei anderen Bands sehr rege!


Stimmt! Vor allem auch bei heimischen Bands wie Sepultura! Dass Du ein großer Tolkien- und Herr-Der-Ringe-Fan bist, das ist ja allgemein bekannt. Wenn ich noch einmal auf Euer Album "Nightfall In Middle-Earth" zurück kommen darf, das basiert ja eigentlich auf dem Buch, das gerade die Zeit weit vor dem Herrn Der Ringe beinhaltet, dem Silmarillion. Wie bist Du denn gerade auf dieses ja doch recht kompliziert zu lesende Buch als Vorlage gekommen?

Hansi :
Ich fand es zu Anfang auch eigentlich ein bisschen zu kompliziert! Oder sagen wir mal nicht spektakulär genug. Wenn man dann aber Fan ist, dann versucht man sich natürlich in die Materie einzuarbeiten und irgendwann hat es einfach klick gemacht und ich fand die Dimension der Story so gigantisch und die vorhandenen Ideen - auch wenn die ja nur sehr kurz abgehandelt werden - einfach so unglaublich komplex, dass mir das als Konzept fast noch interessanter vorkam als irgendwas über den Herrn Der Ringe. Und dann hat das ganze Ding seinen Lauf genommen. Ich hab dem Andre dann den Vorschlag gemacht und der fand - ohne das Silmarillion zu kennen - die konzeptionelle Idee und auch die Story an sich, das was ich ihm davon erzählt habe auch so spannend, dass er sofort Feuer und Flamme gewesen ist und dann die Musik zum Teil auch schon so ausgerichtet hat.


Wie oft musstest Du das Silmarillion denn lesen, um es wirklich vollständig zu verstehen? Also ich hab ungefähr drei mal gebraucht, bis ich einigermaßen drinnen war!

Hansi :
Ich war beim zweiten Mal drin und hab es mit der englischen Version so in etwa fünf, vielleicht sechs Mal gelesen! Ich bin dann aber auch in die anderen Bücher gegangen, also das ganze Begleitwerk um an "Nightfall"(In Middle-Earth) zu arbeiten.


Ja, es ist einfach faszinierend, weil es einfach eine komplett perfekte Welt ist, die er schafft, die in sich schlüssig ist!

Hansi :
Ja eben, vor allem wenn man sich dann diese Rezitierungen im Herrn Der Ringe zu Gemüte führt, die ja darauf hinweisen, dass dies ja eigentlich die Glanzzeit gewesen ist und die ja auch wesentlich aufregendere Zeit, dann gewinnt das find ich noch viel mehr an Dimension! Wenn man den Herrn Der Ringe, der ja wirklich ein Monumentalwerk darstellt auch von der Fantasie, die da beim Erschaffen an den Tag gelegt worden ist, wenn man sich dann da vorstellt wie klein der Herr Der Ringe im Vergleich zum Silmarillion ist, dann gewinnt es noch mehr an Größe und wird einfach so reizvoll auch von den ganzen Charakteren die drin sind, ob es jetzt Lucien ist oder Hùrin oder die ganzen Noldor. Das ist dann auch einfach so unfassbar stimmig. Da blieb mir nix anderes übrig!


Absolut! Es ist eben ja auch sehr interessant, da es sehr viel erklärt, was im Herrn der Ringe vorkommt, zum Beispiel das Feuerwesen, der Balrog!

Hansi :
Genau! Du hast immer diese Kreuzung, Querverweise in beide Richtungen. Es macht einfach wahnsinnig Spaß!

  



  

Vollkommen! Mit Fragen zu der Verfilmung will ich Dich eigentlich gar nicht groß nerven. Aber im Angesicht der Filme, was würdest Du davon halten, wenn man sich mal den Kleinen Hobbit als Filmvorlage nehmen würde, der wurde bis jetzt ja immer sträflich vernachlässigt?

Hansi :
So viel ich weiß, ist ja Jackson dran!


Das wäre ja absolut perfekt!

Hansi :
Ich denke auch, dass das perfekt wird. Als einziges, wenn das dann irgendwann spruchreif wird, werden wir noch mal bei denen vorsprechen für den Soundtrack und uns in die Runde werfen, vielleicht werden wir ja dann dieses Mal etwas mehr Zeit und Glück haben, dass unser Material dann steht und wir es einfach direkt tonreif vorführen können.


Klar, letztes Mal waren es ja glaub ich nur vier Wochen in etwa.

Hansi :
Genau. Es waren vier Wochen und in denen war ich auch noch auf Promotour! Wir hatten zwar die dementsprechenden Songs, die haben wir auch nach wir vor, aber das wäre mit ziemlicher Sicherheit nach hinten los gegangen. Zumindest das Interesse war aber da, sich die Sachen mal anzuhören. Und da wir bei verschiedenen Tolkiengruppen ja auch angesagt sind, soll man das nicht ausschließen!


Dein Lieblingsspiel hab ich gelesen ist ja Schach! Was genau fasziniert Dich denn daran so sehr?

Hansi :
Nun es gibt mehrere Lieblingsspiele! Ein anderes ist Tip-Kick. So ein Tischfußballspiel. Dann gibt es ein Tischeishockeyspiel, das mag ich auch sehr gern, hehe! Also es gibt diverse Spiele! Schach - ja also einfach diese schier unendlichen Möglichkeiten, die man zu haben scheint und einfach dieses Vorausdenken!


Ich find es in dem Sinne vor allem interessant und schön in der heutigen Welt der Computerspiele mal jemanden zu finden, der Brettspiele wirklich mehr mag!

Hansi :
Ich bin von Anfang an kein Fan von Computern gewesen und das hat sich auch nicht groß geändert. Logischerweise stehen in unserem Haushalt auch mehrere Computer und bandtechnisch bin ich natürlich auch dazu verdonnert, mit den Computern in irgendeiner Form einen Waffenstillstand zu schließen. Das war von Anfang an so, dass Computer in meinem Umfeld auch nie besonders gut funktionierten, hehe! Ich kann mit den absoluten Cracks zusammen kommen, irgendwas bricht garantiert zusammen. Ich denk fast mal, das ist Magnetismus, hehe! Von daher hat sich für mich auch nie so richtig die Frage gestellt, ob ich mich jetzt da großartig einarbeiten wollte oder nicht! Ich hab in meinem Leben, das ist nun immerhin schon ein paar Jahre her, zwei Computerspiele gekauft. Eins ist noch immer original verpackt und das andere hat meine Frau einmal gespielt, hehe! Versucht zu spielen und dann hat sie festgestellt, das ist nicht so der Bringer! Ich weiß, als wir die "Somewhere Far Beyond" gemacht haben, da haben wir kurzzeitig mal Fußballmanager gespielt, Bundesligamanager das fand ich eigentlich auch ganz o.k., weil ich zum damaligen Zeitpunkt auch noch sehr fußballvernarrt war. Aber wie gesagt, seitdem ich mit Computern in Berührung gekommen bin, funktionieren die nicht und konnten mich daher nicht so wirklich packen!


Hauptsache Homebanking funktioniert!

Hansi (lacht) :
Ja, aber auch nicht immer!


Ihr kommt ja alle in etwa aus der Gegend um Krefeld. Wenn es einen denn in diese Gegend verschlagen würde, was an Sehenswürdigkeiten, beziehungsweise welchen Ort müsste man sich auf jeden Fall zu Gemüte führen?

Hansi :
Die Linner Burg! Das ist so eine niederrheinische Burg aus dem elften,. zwölften Jahrhundert, die auch noch recht schön erhalten ist und in einem sehr schönen Park steht. Das ist die Gegend, in der ich aufgewachsen bin und mit der bin ich extrem verbunden. Sagt eigentlich auch schon ein bisschen darüber aus, warum wir auch mittelalterliche Klänge und Töne wie auch immer verarbeitet haben. Ansonsten ist Krefeld erst mal eine unaufregende Stadt. Aber wenn man Zeit hat sich die anzugucken, dann wird man feststellen, dass es auch sehr viel Grün gibt und auch einen sehr schönen - auch für Münchner sehr schönen - Biergarten gibt. Wir haben ja einen Münchner Gastmusiker, der dem Biergarten auch sehr zugeneigt gewesen ist.


Also echte Live-Erfahrung!

Hansi :
Genau! Aber ich glaub auch, dass ich einen Blick fürs schöne habe und Krefeld hat einfach mehr zu bieten als es auf den ersten Blick den Anschein hat! Wie gesagt ist es keine spektakuläre Stadt. Der Humor einiger Leute ist auch sehr gewöhnungsbedürftig, aber insgesamt glaube ich, ist es schon gut, dass es doch noch gut zwanzig, fünfundzwanzig Kilometer von Düsseldorf entfernt liegt. Dadurch hat es doch noch etwas mehr den niederrheinischen Urcharakter. Auch wenn sich schon viele Leute viel zu sehr an Düsseldorf heranhängen. Aber durch die Nähe zu Holland und dadurch dass dann direkt hinter Krefeld die Landwirtschaft beginnt, hat es doch noch etwas provinzielles behalten.


Ja, leider ist das Interview eigentlich eine Woche zu spät für mich. Wir waren nämlich vor ungefähr einer Woche in Krefeld bei einem Konzert und zwar im Schymy's Pub. Sagt Dir das was?

Hansi :
Ja! Ich weiß nur gar nicht, wer da gespielt hat.


Nun wir waren mit Somber Serenity aus München da. Ansonsten haben Blood Red Angel als Headliner gespielt. Die haben ihre CD-Releaseparty gefeiert!

Hansi :
Ah, o.k.! Nun Schymy's Pub ist auch so ganz nett. Ich muss aber zu meiner Schande gestehen, dass ich seit Schymy das Ganze führt noch nicht dort gewesen bin. Der spielt ja bei Averon. Ein paar Freunde von mir sind häufig dort. Es gibt so ne alte Metalgemeinde, die nennt sich Metalpiranhas hier aus Krefeld und die hält dort ab und an ihre Treffen. Ich sollte da eigentlich schon drei, vier Mal da gewesen sein, hab's aber leider Gottes nie geschafft, hehe. Ist auch wohl ein ganz netter Pub! Ich wohne auch gar nicht so weit weg davon.


Nicht schlecht! Tja da hätte man fast ein Liveinterview machen können!

Hansi :
Ja hätte man fast machen können! Ich weiß nicht, ob du da noch ein bisschen rumgerannt bist. Da bist du ja auch nicht allzu weit vom Rhein entfernt und es ist auch eine nette kleine Fußgängerzone in der Nähe.


Wir sind leider nicht weit gekommen. Wir mussten ja von München aus hinfahren, sind abends dort gewesen und haben noch mit aufgebaut und sind dann leider in der Nacht noch zurück gefahren. Es war also Stress!

Hansi :
Ach so, das ist mir bekannt, hehe! Aber das sind so die Sachen - um noch mal auf die Vergangenheit zurückzukommen - die natürlich noch am meisten Spaß machen. So die Einzelkonzerte bei den ersten drei Platten, die waren schon was Besonderes! Weißt du, wenn du deine Sachen einpackst, so wie ihr das auch gemacht habt, am Wochenende spielst, meinetwegen Samstag. Wir hatten dann schon teilweise das Privileg; dass wir ein Hotelzimmer bekommen haben und konnten dann auch da schlafen. Doch da waren schon schöne Sachen dabei. Gerade wenn du dann in München und Hamburg spielst! Ich weiß noch, wir haben mal in München gespielt mit Heaven's Gate auf einem Festival, das dann kurzer Hand abgesagt wurde, weil es dauergeregnet hat. aber wir waren in einem sehr schönen Hotel und konnten da unser Unwesen treiben und durften am anderen Morgen wieder nach Hause fahren, hehe! Da sind wir über Frankfurt gefahren und da war dann so eine Art Kirmes. Das sind dann halt so die Sachen, die man heute nicht mehr so mitbekommt. Aber es gibt auch heutzutage andere Sachen, wenn man einen freien Tag in Rio De Janeiro hat und da ins Meer darf, das ist natürlich auch nicht zu verachten!


Ich denke auch, alles hat immer Vor- und Nachteile. Gibt es denn so zum Schluss noch ein ganz bestimmtes Land, in dem Du unbedingt einmal gerne spielen würdest, in dem Du noch nie warst? Ich mein Mittelerde wie ja Dein Lieblingsland wäre, ist ja leider nicht möglich...

Hansi :
Hm jetzt auf Anhieb, lass mich mal kurz überlegen. Ich glaube, so auf Anhieb würde ich sagen - da mir Afrika noch fehlt -so ein afrikanischer Staat. Südafrika wäre o.k., aber auch ein anderer Staat. Aber Südafrika ist einfach am ehesten vorstellbar. Ansonsten Indonesien wäre nicht schlecht. Aber da müssten sich die Zeiten vielleicht erst ein bisschen ändern. Australien, klar! In Australien haben wir auch noch nicht gespielt. Das wäre nicht schlecht. Und dann gehen wir noch ein bisschen weiter, dann sind wir fast in Mittelerde, dann gehen wir nach Neuseeland! Ich weiß, dass es da eine kleine Fangemeinde gibt, die auch regelmäßig Interviews mit uns macht. Aber wenn man da so eine fünfhunderter Clubshow spielen könnte, das hätte schon was!


Genau! Und dann noch am besten in den Hinterlassenschaften vom Herr Der Ringe Dreh das Konzert spielen!

Hansi :
Genau und am besten noch Peter Jackson verpflichten für 10000 Dollar ein Video mit einem zu drehen! Er kann auch die Rechte behalten!


Das wäre ein absolutes Highlight, ja! Nun dann möchte ich mich ganz herzlich bei Dir bedanken! Es hat mir super Spaß gemacht!

Hansi :
Mir auch!


martin



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