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Servus und willkommen zu diesem Interview für das Rising Darkness Magazine! Es freut mich doch immer wieder wenn es die Möglichkeit gibt mit einer interessanten Band aus süddeutschen Landen ein Interview zu bekommen!
Die letzten Jahre waren ja für Behind The Scenery von vielen Veränderungen geprägt, viel hat sich getan. Für alle unsere Leser, erzähl uns doch einmal die Geschichte von Behind The Scenery und stell doch auch die Band einmal vor!
Thomas:
Hi Martin, danke für Euer Interesse und das Interview! Dann leg ich auch gleich mal los! BTS wurden 1996 in Göppingen (bei Stuttgart) gegründet, damals noch in einer etwas anderen Besetzung. Gründungsmitglieder waren damals Schlagzeuger Uwe und sein Zwillingsbruder Andy, Sänger Holger und Till van der List und ich als Gitarristen. Melodic Death war zu der Zeit das große Ding und wir alle vergötterten Bands wie Dark Tranquillity, In Flames, At The Gates usw. - die Götheborg-Ecke halt!
Unser Debüt "Nocturnal Beauty" kam 1997, ging ziemlich in diese Richtung und wir hatten einigen Erfolg damit, soweit man das in diesem Stadium sagen konnte. Danach spielten wir soviel wie möglich, arbeiten nach den recht guten Resonanzen auf den Nachfolger hin und versuchten wie jede neue Band, irgendwie bekannt zu werden. Es war ne endsgeile Zeit, die ganzen Leute, die man im Lauf der Zeit kennenlernte, Bands, die heute entweder recht groß sind und damals erst anfingen (Evereve, Night In Gales) und solche, von denen man nie gedacht hätte, dass man mal mit Ihnen auf einer Bühne stehen würde - weil wir sie schon mit 16 gehört hatten (wie Tankard z.B.). Eigentlich war's perfekt. Ein Dämpfer kam mit dem Ausstieg von Bassist Andy, der allerdings mehr als gleichwertig von unserem aktuellen Basser Guntram ersetzt wurde, was kurz vor der Aufnahmen zu zweiten Scheibe geschah.
1999 produzierten wir dann unser zweites Album "Of Honesty Forbidden", 2000 wurde es veröffentlicht. Dabei versuchten wir, die klassischen Melodic Death Trade-Marks zu behalten, den Sound aber so weit wie möglich Richtung Progressive und Neo-Klassik zu öffnen, weil sich diese Stile recht gut zusammenbringen lassen und mehr Abwechslung bieten. Die Zeit im Studio war wegen des hohen Zeitdrucks (Zeit = Geld, vor allem im Studio… :o) ), mit das Stressigste, was ich je mitgemacht habe. - aber trotzdem ein Riesenspaß! Wir konnten mit der Platte einen Deal bei GSM (Grind Syndicate Media) ergattern, das brachte uns ein gutes Stück voran. In den Kritiken konnten wir zu 90% sehr gut bis exzellente Bewertung einheimsen und ich liebe diese Platte bis heute. Sie ist so was wie das Erbe von BTS vor 2000.
Im Nachhinein betrachtet - vor allem in Hinsicht auf unser jetziges Material - ist "Honesty" fast zu kopflastig geworden, wir wollten einfach alles in die Songs reinpacken, was uns irgendwie möglich war. Das hat oft funktioniert, manchmal aber auch nicht. Aber in jedem Fall konnten wir uns von dem Vorwurf lösen, ein bloßer Schwedenklon zu sein und keine eigenen Ideen unterbringen zu können.
Danach ging's allerdings erstmal abwärts mit der Band - vor allem wegen diverser Line-Up Wechsel und massiven Zeitproblemen. Unser Gitarrist Till - einer der Hauptsongwriter - verließ die Band sozusagen aus dem Studio Richtung Studium in Köln. Ich fing ebenfalls mein Studium an und zog nach München, so dass die Lage erstmal nicht so rosig aussah. Über ein Jahr lang lief dann auch so gut wie nichts mehr, bis wir mit Stefan und Simon zwei sehr fähige Leute fanden, die eigentlich für Till und mich die Gitarren übernehmen sollten. Als ich den beiden die Songs gezeigt habe, wurde mir klar, dass mein Leben ohne Musik und Band nur halb soviel wert war und ich entschloß mich, wieder einzusteigen - womit wir dann drei Gitarren hatten, das volle Brett! Ich kann mich an keine geilere Live-Show erinnern als die mit auf dem Summerbreeze 200 - Druck ist einfach nicht durch Lautstärke zu ersetzen… :o))
Von da an war die Sache beschlossen - wir wollten weitermachen, konnten aber nicht mit derselben Intensität an der Sache arbeiten wie vorher. Simon, einer der zwei Neuzugänge an der Gitarre, war damals so die treibende Kraft, die uns alte Säcke wieder ein bisschen in die Gänge brachte. Leider stieg auch er irgendwann 2002 wegen seines Studiums aus, was noch mal zu einer längeren Schaffenspause führte. Ich werd nie begreifen, wie die ganzen Schwedenbands so unglaublich viel Zeit in ihre Musik investieren und nebenher noch studieren können. Bei uns allen lief das irgendwie gar nicht. Hinzu kam, dass ich 2002 so gut wie komplett im Ausland verbrachte und nicht wirklich mit der Band arbeiten konnte. Wir hatten uns zu dem Zeitpunkt allerdings schon fest vorgenommen, noch mal durchzustarten - was wir dann ab Frühling 2003 auch taten. Das Album selber haben wir dann im Herbst 2003 in Eigenregie aufgenommen, das Mischen zog sich bis ins Frühjahr 2004, weil einiges schiefging und schließlich ging noch etwas Zeit für die Labelsuche ins Land. Wir waren vorher bei GSM, hatten aber keinerlei Optionen, da damals feststand, dass es nach "Of Honesty Forbidden" kein weiteres Album geben würde. Bis wir zu SCR kamen, hat's noch einen Moment gedauert, aber dann ging alles recht fix.
Nicht nur im Bezug auf die Band, sondern auch was Euren Musikstil angeht habt Ihr Euch ständig weiterentwickelt. Was meint Ihr, eine natürliche Weiterentwicklung im Sinne von älter und reifer werden, oder einfach die Lust am Experimentieren?
Thomas:
Da kann ich guten Gewissens sagen, dass beides reinspielt. Über die Jahre sieht man manches anders und mittlerweile find ich nichts schlimmer als Ewiggestrige, die sich über Jahrzehnte nicht ändern. Das wird doch langweilig, oder? Klar, gute Sachen sind zeitlos, Klassiker eben, aber davon sind wir noch weit entfernt. Unsere Stärke liegt mittlerweile mehr in der Offenheit und der musikalischen Unbefangenheit. Dadurch kam auch die Lust am Experimentieren, denn ich denke auch dass ein Teil dieser letzten Jahre recht motivationslos verstrichen ist, weil wir anfangs nicht wussten, wohin es gehen sollte. Es gibt Dutzende von Melodic Death Bands, die besser, technisch versierter und professioneller zu Werke gehen - es hat für uns als Nicht-Profis fast keinen Sinn, Bands wie Soilwork oder Darkane nacheifern zu wollen. Was aber auf jeden Fall Sinn macht, ist den Melodic Death als Plattform für Experimente und andere Musikstile zu nutzen, denn grundsätzlich bietet er alles, was in unseren Augen wichtig ist: Groove, Härte und vor allem Live-Tauglichkeit. Live merkt man ganz schnell, wie die Fans auf bestimmte Songs reagieren und wir achten da recht genau drauf. Daraus kam auch der Schluß, dass es sinnlos ist, nur auf Geschwindigkeit und Frickelei zu setzen.
Wenn ich denn nun den Titel Eures aktuellen Werkes übersetze erhalte ich ja wörtlich Rückspiegel. In meinen Augen ist das Album aber gefüllt mit neuen, teilweise durchaus experimentellen Einflüssen, die so auf Euren alten Werken noch nicht zu finden waren. Woher also der Begriff Rückspiegel?
Thomas:
Auf die Frage hab ich lange gewartet - komischerweise hat mich das so direkt noch niemand gefragt, aber das trifft's ins Schwarze! Das Album ist für uns auf eine gewisse Art tatsächlich ein Spiegel, der die Zeit zwischen dem letzten und diesem Album aufzeigt. Da ist einiges passiert und die zwölf Songs der Platte stammen alle aus unterschiedlichen Zeiten und Stimmungen - zu jedem gibt es eine kleine Entstehungsgeschichte. Die Idee zum Titel der Platte kam mir bei einem Konzert der französischen Götterband PARIS COMBO (unbedingt mal reinhören, supergeile Musik! :o)
Auf jeden Fall sind die Songs genau deswegen so unterschiedlich ausgefallen - weil teilweise einige Jahre und persönliche Erlebnisse dazwischen lagen. Diese verschiedenen Stimmungen erfordern einfach unterschiedliche Musik. Z.B. ist "Queen of the Swans" so was wie ein Liebeslied, während "Response To Solitude" in der Phase entstanden ist, in der die globale Stimmung gegenüber den USA von solidarischem Mitgefühl in Antipathie bzw. Haß umgeschlagen ist. Der Song "Rétroviseur" selber dagegen dreht sich dagegen um das Spiegelbild eines Mannes, der seine eigene Persönlichkeit nicht mehr wiedererkennt und daran fast zugrunde geht. Das könnte man sogar fast als eine Art Selbstfindungsphase der Band interpretieren, die diesem Album vorangegangen ist - ohne diese Neudefinition gäbe es BTS heut nicht mehr.
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Ich selbst finde es immer wichtig und interessant, wenn eine Band nicht auf einem Level stehen bleibt, sondern sich kontinuierlich weiterentwickelt. Wie sieht es denn aber mit Eurer Fangemeinde aus, folgt die denn treu auf Euren Spuren?
Thomas:
Das haut mich immer wieder von den Socken. Wir waren ja auch zu Zeiten der "Honesty"-Platte beileibe keine der großen deutschen Nachwuchsbands und eigentlich nur im süddeutschen Raum hinreichend bekannt. Trotzdem bekamen wir in der ganzen Zeit Mails, Briefe und sogar Anrufe von Leuten, die wissen wollten, wann's bei uns endlich weitergeht, wann die nächste Platte kommt usw. Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir uns noch mal aufgerafft haben, denn selbst wenn es dabei nicht um Heerscharen von Fans geht, so fällt es doch schwer, sich dieses sympathischen Effekts zu entziehen und jemanden persönlich zu enttäuschen. Natürlich sind es über die Zeit weniger geworden, aber denen, die dabei geblieben sind, würde ich zutrauen, dass sie an dem neuen Album ihre Freude haben. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass jeder von uns erwartet hat, dass wir nicht noch mal genau dasselbe machen. Man kennt ja viele auch persönlich, Freunde, Bekannte, Musiker usw. - die Leute entwickeln sich, hören andere Musik, entdecken neue Sachen. Das können sie von uns genauso erwarten, oder? Ich will allerdings ehrlich sein: wir hatten schon gut Bammel, dass die Fans und Kritiker "Rétroviseur" zerreißen würden. Weniger, weil das Material an sich schlecht wäre, sondern weil es für einen wirklich straighten Metaller vielleicht zu uneinheitlich ist. Das war genau der Sinn und Zweck des Albums, aber es war trotzdem ein Wagnis. Einige Kritiker haben uns auch genau deswegen auseinander genommen.
Am 26.02. diesen Jahres findet ja die Release Party für "Rètroviseur" nahe Stuttgart satt. Habt Ihr Euch denn dafür etwas besonderes einfallen lassen?
Thomas:
Das Besondere gleich vorweg: das erste Bier ist umsonst, sozusagen im Eintrittspreis enthalten... :o) Höchstwahrscheinlich werden wir nebenher noch Teile unseres Videos drehen, dass zur Zeit in Produktion ist, da müsst ihr alles geben vor der Bühne, Leute… :o)) Dazu werden wir einige Sachen spielen, die wir bis dato nicht im Liveset hatten, vor allem natürlich Songs vom neuen Album, aber auch ein-zwei "vergessene" Klassiker der "Honesty". Die drei Bands, die wir einladen konnte, sind natürlich auch nicht ganz ohne - Asterius und Immortal Rites dürften jedem ein Begriff sein, der sich in der deutschen Melodic-Death-Szene und Stahlmagen sind eine noch junge, aber sehr engagierte Band mit Höllengroove. Jede einzelne Band wird sich definitiv lohnen! Wir habens auch endlich geschafft, unser bis dato nicht vorhandenes Merchandise aufzustocken - und haben ein paar sehr geile Shirts am Start.
Auf Eurer Homepage habe ich in Euren Biografien gelesen, dass Ihr ja nahezu alle aus Göppingen kommt, nur bei Thomas kam mir unsere Heimatstadt München in die Quere, mit dem netten Zusatz: "living in Munich …sucks!" Das bedarf natürlich Klärung :-), was kann denn schon an einer Stadt die solche tollen Clubs wie das P1 sein Eigen nennt scheiße sein?
Thomas:
An München an sich ist nicht viel auszusetzen, die Stadt ist rein infrastrukurell, architektonisch und kulturell so gut wie perfekt, aber die Menschen hier sind schon recht speziell. Ich hab schon in vielen verschiedenen Gegenden Deutschlands gewohnt und hatte nie Probleme, mich zu integrieren, aber die Münchner machen einem das nicht leicht. Schon gar nicht, wenn man nicht zu der 70%-Schicki-Szene gehört, deren Clubs an Museen erinnern - jeder stellt sich aus, aber redet bloß nicht miteinander. Wenn Du z.B. mal Berlin mit München vergleichst, fällt auf dass ein Großteil der Leute hier erschreckend uniform sind - in ihren Meinungen, ihren Klamotten, ihrer Art. Es gibt wenig Vielfalt, wenig Exotik und schon gar keine Kontroversen. Ich hab mal eine Zeitlang in Paris gelebt, das war meine Traumstadt, absolut. Aber alles hat auch sein Gutes: ich hab gelernt, dass es nicht drauf ankommt, wo man lebt, sondern mit was für Menschen man sich dort umgibt. Klappts mit den Leuten, klappt's auch meistens mit dem Rest. Mittlerweile kenn ich ein paar coole Leute, aber halt alles Zugezogene… :o)
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Sollte es mich denn einmal nach Göppingen verschlagen, was müsste ich mir denn dann unbedingt zu Gemüte führen, um nicht zum selben Eindruck zu gelangen?
Thomas:
Ach herrje, Göppingen ist nicht unbedingt ein guter Vergleich. Ich hätte nach meinem Zivildienst unter keinen Umständen in Göppingen bleiben wollen, weil ich aus ner Großstadt komme und mehr Hektik und Leben um mich brauche. Als Student ist's woanders witziger, da geht auch in München schon einiges mehr. In Göppingen herrscht natürlich genau wie überall eine gewisse Mentalität vor, die kann man jetzt mögen oder nicht, aber die Leute sind im Allgemeinen freundlich und nicht schwer zugänglich, das ist der Unterschied. Für jüngere Leute ist es kein Problem, sich zu integrieren. Und so provinziell wie man es von einer 60.000 Einwohner-Stadt erwartet, ist es gar nicht, durch die Nähe zu Stuttgart. Ich kann jedem nur das "Capone" empfehlen, als Beispiel, sehr angenehme Kneipe.
Nun denn, so weit so gut! Habt vielen Dank für Eure Zeit und Eure Antworten! Ich wünsche Euch viel Erfolg und eine perfekte Release Party am 26.02.2005
Thomas:
Danke Martin! Wünsch Euch und Euren Lesern ne geile Zeit - und schaut vielleicht mal bei einem unserer Gigs rein. Oder auch unter www.behindthescenery.com!
martin
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