Interviews      Satyricon - München 19.03.2003


  


  

Interview mit Satyr und Frost in München vor Ihrem Konzert 19.03.2003


Zuerst möchte ich Euch natürlich hier in München willkommen heißen!

Satyr:
Danke!


Lass uns anfangen mit ein paar Fragen über die Vergangenheit von Satyricon: Verrate mir doch, was Ihr mit Satyricon erreichen wolltet, als Ihr vor all den Jahren begonnen habt und ob Ihr es geschafft habt, Eure Ziele bis heute zu realisieren?

Satyr:
Jedes Ziel, das Du erreichst, bringt ein neues Ziel mit sich, weißt Du! Am Anfang war es, einen Plattenvertrag zu bekommen und ein Album herauszubringen, später weißt Du, haben wir uns neue Ziele gesetzt. Und wir haben hart daran gearbeitet, sie alle zu erreichen, aber das benötigt Zeit! Ich glaube eine Kombination aus Talent und harter Arbeit und äh ich denke, dass Talent ist vorhanden und die Einstellung zu harter Arbeit, ist genau die Richtige bei allen Beteiligten, für alle, die in den Prozess miteingebunden sind! Ok?


Würdest Du für mich einen weiteren Blick in die Vergangenheit werfen und mir etwas über die musikalische Entwicklung und die verschiedenen Mitglieder von Satyricon über all die Jahre erzählen?

Satyr:
Ich sehe nichts Packendes in der musikalischen Entwicklung, es ist alles eine sehr natürliche Weiterentwicklung. Für mich war es immer in der Richtung, die ihre Grundlage in rockbasierendem Black Metal hat. Und von da an ist alles mit einer, äh sehr weiten Perspektive, bei der es keine Limits gibt, wie weit wir gehen können angelegt. Was wir machen ist, zu versuchen neue Dinge zu entdecken, neue Musik zu entdecken, was wir auch mit jedem neuen Album machen. Meiner Meinung nach ist alles was wir machen einfach nur Satyricon.


Ich möchte Euch eigentlich nicht direkt nach Eurer Inspiration für Eure Musik und die Texte fragen, da ich der Meinung bin, das dies ein Thema für sich ist. Aber wie sieht es denn mit der Natur, den Wäldern und dem Meer Eurer Heimat Norwegen aus? Ist dies nicht ein großer Teil davon, etwas sehr wichtiges für Euch?

Frost:
Sprichst Du davon, wie wir es auf einen persönlichen Level fühlen, oder was direkten Einfluss auf unsere Musik hat? Nun, das sind zwei unterschiedliche Dinge, weißt Du. Es bedeutet uns beiden sehr viel, weil äh, es ist gut, etwas neu zu fundieren, aber es ist anders bei den späteren Alben im Bezug auf die früheren. Es ist nicht eine hauptsächliche Quelle für die Texte und ihre Abhängigkeit von der Musik mehr zu dieser Zeit. Wir waren dort, und in einer Weise hat es auch noch Einfluss auf das, was wir machen, aber es ist ein bisschen mehr versteckt, nicht mehr so direkt.


Aus welchem Teil von Norwegen kommt Ihr denn?

Frost:
Ich komme aus dem östlichen Teil von Norwegen, etwas nördlich von Lillehammer eigentlich, aber ich lebe nun seit einigen Jahren in Oslo.

Satyr:
Nun, ich habe bis jetzt an vielen Orten gelebt, aber der Ort, über den ich nachdenke, der mehr als alle anderen, an denen ich gelebt habe meine Heimat ist, ist eine kleine Halbinsel gerade außerhalb von Oslo. Die Halbinsel ist ganz anders als Oslo, es leben dort nur in etwa 1500 Menschen, also eine sehr ländliche Umgebung. Aber man braucht trotzdem nur ungefähr 20 Minuten mit dem Boot und etwa 45 Minuten mit dem Auto nach Oslo. Wie gesagt, ich habe an vielen verschiedenen Orten gelebt, aber weist Du, das ist der Ort an den ich gehöre.

  



  

Alles klar! Lass uns zu Eurem aktuellen Album "Volcano" übergehen: Wie würdest Du die Musik auf "Volcano", wenn Du sie mit den früheren Alben vergleichst beschreiben?

Satyr:
Äh, ich brauche sie nicht mit früheren Alben zu vergleichen, aber ich kann beschreiben wie sie ist. Für mich ist sie sehr direkt, ziemlich strikt und minimalistisch. Das Rahmengeflecht ist ziemlich heavy und es hat eine großartige Vielfalt wie Du an "Fuel" und "Black Lava" als Beispiele sehen kannst. "Fuel" ist ein Song, der Dir direkt ins Gesicht schlägt, sehr direkt und mit einer Menge an Intensität. Nun "Black Lava" ist eine 15 minütige ansteckende Reise, sehr atmosphärisch, aber es macht trotz allem Sinn, sie beide auf dem Selben Album zu haben. Es äh, alles…äh!


Alles passt zusammen?

Satyr:
Ja genau, alles passt zusammen.


Nun, für dieses Album habt Ihr die Chance bekommen mit dem großen Label Virgin hier in Europa zusammen zu arbeiten. War es denn schwierig für Euch als eine Band, die solch extreme Musik spielt solch einen guten Vertrag zu bekommen?

Satyr:
Äh, nun sie haben uns gefragt, weißt du!


Sie haben Euch gefragt? Sie sind zu Euch gekommen?

Satyr:
Ja! Für uns war es das Beste in diesem Augenblick, da es der Band zu Gute kam. Es hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen, vor allem für die europäische Erscheinung und war mit sehr viel Arbeit verbunden. Aber ich denke, dass es sowohl gute, als auch schlechte Dinge dabei gegeben hat. In einigen Ländern hat Virgin sehr gute Arbeit geleistet, in anderen weniger. Alles zusammen genommen, in dem Moment, als wir den Vertrag abgeschlossen haben, war es das Beste, was wir machen konnten und wir werden sehen, was die Zukunft bringen wird. Ich denke, ich möchte in der Zukunft weiterhin mit ihnen kooperieren. Ich denke, es wäre besser für Satyricon, wenn in der nächsten Zeit alles international organisiert werden würde, innerhalb und außerhalb von Norwegen. Das ist keine Sache, die wir aus Norwegen organisieren können. Ich denke nicht, dass es das Beste für mich und die Zukunft wäre. Gerade hier in Deutschland hat Virgin seine Sache sehr gut gemacht, in vielen anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich, die Schweiz, Belgien und solchen Ländern waren sie Schrott!


Gut, gut, damit hast Du auch schon meine nächste Frage darüber, dass es doch eine große Chance für Satyricon sein muss, eine größere Menge an Leuten mit Ihrer Musik zu erreichen beantwortet.
Also auf zur nächsten Frage: Wo habt Ihr diese großartigen Fotos im Coverbooklet aufgenommen?


Satyr:
Island!


Island? Nicht Norwegen?

Satyr:
Island! (grins)


Nun, warum denn gerade in Island? (grins)

Satyr:
Wir hatten viele verschiedene Ideen. Ich werde Dir jetzt nichts über die anderen erzählen, da wir einige davon in der Zukunft hernehmen wollen. Der Ort hatte eine natürliche Umgebung, die einfach passte. Du weißt, wie das so mit Satyricon ist, alles geht Hand in Hand wie das Graphik Design und die Musik. Das alles hat etwas von Totalität und da ist das naheliegend, weist Du. Ich habe ja schon meine eigene Sicht auf die Musik von "Volcano" beschrieben und ich wollte die Texte genau so haben. Und das wäre z. B. in der Umgebung im Studio nicht so einfach gewesen. Warum sollten wir also nicht nach Island gehen? Wir haben dort den Rauch aus dem Boden aufsteigen sehen. Du hast dort diese großen schwarzen Steine und die Rauheit, weist Du, so war es auf jeden Fall wesentlich einfacher all das zu tun. Wir hatten davon noch nicht gehört, aber als uns zu Ohren kam, dass das Licht sehr besonders dort ist und auch unser Fotograf sagte, dass das passen würde, da machten wir es einfach!

Frost:
Ich denke, wenn Du das Album hast und anfängst, es zu hören und dabei das Booklet durchsiehst, verstärkst Du das Gefühl, das Du vom Zuhören bekommst und ich denke, das ist auch der Fall mit allen anderen Alben von uns und ganz bestimmt mit "Volcano". Viele meiner Freunde haben mir das Selbe gesagt, dass das, was sie aus den Bildern bekommen und dann das Album zu hören definitiv das Erlebnis des Albums verstärkt. Das ist, was wir wollten. Und wir haben es damit erreicht! Es war nicht einfach, das zu erreichen, weist Du!


Wie sieht es denn mit dem Cover selbst aus, mit der Schlange? Wie kam es dazu, dass Ihr dieses Symbol mit dem Albumtitel "Volcano" kombiniert habt?

Satyr:
Ich weis, was Leute erwarten, nur weil es "Volcano" betitelt ist, wollen sie ein Bild von einem ausbrechenden Vulkan. Wir alle wissen, dass die Schlange ein altes Symbol für Dunkelheit und für den Teufel ist, das beeindruckt zwar nicht, die Hauptsache für mich ist die Art, wie ich über Schlangen denke. Es ist sehr viel, was ich fühle, wenn ich das Album höre. Mit einer Art von Einschüchterung und Gegenwart, die sie haben. Wir haben eine Menge Bilder von verschiedenen Schlangen genommen und versucht die Richtige zu finden. Und das war ein wirklich gutes, die Schlange kam von oben herab in Richtung Kamera, etwa so(zeigt es mit der Hand) und sie sieht richtig bedrohlich aus, und das ist, wie auch die Musik für mich ist.

Frost:
Es ist sehr wie die organische Linie des Albums, ein Vulkan, ein natürliches Phänomen, etwas Dunkles und Beängstigendes, weist Du. Und in der Meinung der Leute ist eine Schlange auch eine dunkle Kreatur der Natur und dann noch der sehr organische Sound des Albums, das passt alles.


Gut, meiner Meinung nach hat die Schlange auch sehr kalte und dunkle Augen, wenn Du hineinsiehst. Also passt das alles zur Musik!

Satyr:
Genau, richtig, ja!


Beim Anhören des letzten Albumtracks hatte ich das Vergnügen, der Stimme von Anja Garback zu lauschen. Wie hast Du so eine großartige Stimme gefunden?

Satyr:
Nun, ich sehe das so wie wenn man Dinge in einem Album einfügt, die verschieden sind, die fremdartig sind, zu dem was Du tust und ich würde sagen eine weibliche Stimme ist unüblich. Ich weis, das es schon viele viele Male angewendet wurde und all das bla bla, aber trotz allem ist es ein fremdes Element in der Metal Musik, wenn Du es allgemein nimmst und ich sehe das als eine Art Instrument, so als ob Du an einem bestimmten Teil arbeitest und Dir denkst, dieser Teil würde von einem Keyboard profitieren oder einer Harmonie auf dem Bass, so denke ich von einer weiblichen Stimme in unserer Musik. Und dieser Teil dürfte von dem Wechsel des Szenarios profitieren und das Gefühl verstärken. Ich fühlte, das da mehrere Teile waren, aus denen wir mehr herausholen könnten mit einer spezifischen Art Stimme, ich dachte dabei nicht unbedingt an eine weibliche Stimme, ich suchte etwas, das sehr nackt klingt, fast etwas heroinmäßig möchte ich es mal nennen, etwas drogenmäßiges, weißt Du. Ich hatte verschiedene Dinge im Kopf und bin einfach nicht weiter gekommen damit und dann bin ich auf sie gekommen. Ich sagte ok, was macht sie denn so, ich hörte, was sie so all die Jahre gemacht hat und hörte ihr neues Album "Smiling And Waving" und ich wusste nach ungefähr zehn Sekunden und den ersten Worten, dass dies wirklich die beste Stimme für diesen Teil ist, an den ich dachte. Sie hörte sich unsere Musik an und mochte sie und hat es dann gemacht!


Und sie hat es wirklich gut gemacht!

Satyr:
Ja genau, auf dieser Tour in London, sie lebt dort, kam sie und hatte einen Gastauftritt live mit uns!


Lass mich zum Schluss noch ein paar Fragen zu Eurer aktuellen Tour stellen. So langsam kommt sie zum Ende. Wenn Du einen Blick zurück wirfst und all die Shows hier in Europa mit denen früher in Norwegen vergleichst, meinst Du, dass es da einen großen Unterschied gibt, besonders wenn Du die Konditionen betrachtest, die Ihr hattet und von den Zuschauern her?

Satyr:
Gerade jetzt ist Satyricon in einem regelrechten Hoch in Skandinavien. Die Band macht sich dort sehr, sehr gut, alles in allem ist sie wohl die größte Black Metal Band der Region. Also hatten wir gute Konditionen, eigentlich fast überall dort, eine Menge unserer Ziele haben sich mit Hilfe unserer lokalen Promoter erfüllt. Und das Publikum, nun es war ziemlich wie im Triumphzug auf der Tour, weist Du was ich meine, die restlichen Shows hier in Europa, da war es wie zurück zur Realität. Es gab Hochs und Tiefs, es ist wie eine sechs Wochen Achterbahnfahrt und es ist ziemlich so, wie es immer gewesen ist. Da waren Orte mit guten Konditionen, gutem Publikum und guten Promotern und es waren aber auch Orte, an denen es fast keine Promotion gab für die Shows und eben auch nicht gerade viele Leute zur Show kamen, es war eben alles etwas unorganisiert dort. Aber die Band spielt immer gut. Wir haben es auf einen gewissen Level gebracht, auf dem es kein - heute Abend spielen wir gut, heute Abend spielen wir schlecht - gibt. Wir spielen immer gut! Manchmal spielen wir besser als gut, aber Probleme technischer Art, wie ein schlechtes Soundsystem oder technische Probleme auf der Bühne, dagegen können wir auch wenn wir es soweit gebracht haben nichts machen. Und es ist auf jeden Fall schon eine große Tat, soweit gekommen zu sein, aber es ist frustrierend, wenn eine Show nicht so abläuft, wie Du möchtest, aber es nicht Deine eigene Schuld ist und Du wirklich nichts machen kannst. Klar können wir ihnen sagen, dass wir einen Vertrag haben und sie uns promoten müssen, aber am Ende können wir nicht neben ihnen stehen, wenn sie die Poster aufhängen und die Werbung platzieren und so weiter. Und manchmal hast du ein tolles Publikum, das es bevorzugt still zu stehen und die Band zu beobachten und es auf diese Art genießt. Natürlich sind sie privilegiert, da sie den Eintritt bezahlt haben, aber das inspiriert die Band eben nicht besonders das Letzte zu geben. Wir geben einfach unser Bestes, aber es ist schwer hundertmal jeden Abend dieses Extra zu geben, wenn die Zuschauer nur herumstehen und nichts machen.

Frost:
Es stimmt schon, dass wir einen Schritt weiter gekommen sind, aber es ist immer noch alles ziemlich beim Alten geblieben, wie auf unserer letzten Europatournee. Ich denke, das meintest Du mit Deiner Frage? Ich denke, es ist so ziemlich dasselbe. Wir haben dieselbe Art von Problemen und die Umstände sind nicht wirklich anders als in früheren Zeiten! Sie sind ein kleines bisschen besser, aber ich hatte gehofft, dass uns unser größerer Stand weiter vorwärts gebracht hätte.

  



  

Was ist denn Eure Meinung zu Eurer Supportband Khold, warum habt Ihr ausgerechnet sie ausgesucht? Nebenbei bemerkt denke ich, Ihr hättet keine bessre auswählen können!

Satyr:
Cool! Sie sind bei meinem Label. Bei Moonfog Label, das ist der Grund!


Nun gut, das ist Grund genug! Ich hoffe wirklich, dass ich auch mit ihnen ein Interview bekomme!

Satyr:
Das ist in Ordnung! Sie wurden bereits gefragt!


Das ist perfekt! Ich bin nun eigentlich am Ende meiner Fragen angekommen und anstelle der typischen "letztes Statement Frage" wüsste ich gerne, was Ihr von dem folgenden haltet: Über all die Jahre hattet Ihr jede menge Zeit sowohl als Musiker, als auch als Produzenten zu wachsen. Glaubt Ihr, dass die band den selben Weg gegangen wäre, wenn Ihr diese Fertigkeiten schon zu Beginn gehabt hättet?

Frost::
Das ist eigentlich fast nicht zu beantworten! Weist Du, wir sind nun hier nach zehn Jahren harter Arbeit, einem Prozess, der all die Zeit weiter geht. Man kann nicht erwarten, dass man mit denselben Fähigkeiten und der Erfahrung, die man nun hat beginnt, weil Erfahrung zu sammeln ist ein langer Prozess! Wie kann man sich also vorstellen, was man gemacht hätte, wenn man mit technischen Fertigkeiten und gutem Support begonnen hätte, weist Du, die Situation gehört in eine andere Welt! Wir spielen nun, als Beispiel ein komplexes Thema etwas besser als in früheren Zeiten auf der "Medival Times". Wir sind da, wohin wir eigentlich wollten!


Alles klar! Ich denke Satyricon war immer Satyricon und wird es auch immer bleiben, mit oder ohne diese Fähigkeiten! Ich hoffe, das bleibt auch so! Vielen Dank für Eure Zeit für mich! Mange takk for eur tid og ha de bra!

Satyr:
Danke schön!(grins)


martin



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