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Interview with Michael, Sigi und Fil 21.03.2003
RD: Als erstes freue ich mich natürlich, dass Ihr trotz meines unangemeldeten Kommens Zeit für mich gefunden habt und möchte Euch ganz herzlich hier in München, quasi Eurer Heimat, begrüßen.
Erzählt mir doch zum Anfang einmal etwas über Eure Vergangenheit! Wie seid Ihr eigentlich auf die Idee gekommen, ein Projekt dieser Art ins Leben zu rufen?
Michael: Ja, des is ja schon lange her, ne. Des is so lange, dass ich mich schon fast an nichts mehr erinnern kann hehe. Also es hat sich im Zuge dieser elektronischen Musik eigentlich so ergeben. Es gab ja letztendlich auch ein paar Vorläufer so wie Dead Can Dance zum Beispiel. Das war ja auch schon so was ähnliches in der Richtung, wo man gemerkt hat, dass elektronische Sounds ziemlich gut mit mittelalterlichen Melodien zusammen gehen, auch die harmonische Behandlung der Stücke ist ein bisschen ähnlich, also mit liegenden Tönen für Partituren und so. Ganz abseitig ist der Gedanke ja überhaupt nicht, es wäre, glaub ich, wesentlich schwieriger, jetzt mit zum Beispiel Mittelalter - jetzt mal ganz absurd - mit Jazz zu verbinden. Das würde von der gesamten harmonischen Anlage nicht gehen. Also überhaupt kann man sagen, dass Jazz letztendlich so eine Entwicklung weiter gemacht hat, was eben klassische Harmonielehre ist. Barockmusik zum Beispiel und Jazz passt auch zusammen, da gibt es auch Versuche. Das Mittelalter ist einfach mit der elektronischen Musik von Haus aus ein bisschen verwandt, vom ganzen Duktus her. Das war mal so die Grundlage und es war einfach die Idee da, auch damals mit den Lakaien, auch mittelalterliche Instrumente zu integrieren und dann ist auch gleichzeitig das entstanden, dass man auch das Gegenstück macht, das man also Mittelaltermusik macht und dazu elektronische Sounds. Und so ist das eigentlich entstanden. Aber das Ganze war damals nicht als ernstzunehmendes Projekt oder sogar langfristiges Projekt angelegt. Wie gesagt, am Anfang wurden wir auch nicht sehr anerkannt. Die meisten haben furchtbar geschimpft. Den einen war es zuviel Mittelaltergedudel, die anderen sagten: furchtbar, Synthesizer, schrecklich. Aber wir haben immer daran geglaubt und am alten Projekt immer wieder, im Grunde zwischen den Jahren, zwischen den anderen Projekten daran gearbeitet.
RD: Gibt es denn dann auch eine Art Rollenverteilung bei Euch, was das Song- bzw. Lyricsschreiben angeht oder steuert jeder verschiedene Teile bei?
Michael: Tja, also jetzt ist es, da das Songwriting natürlich aus der Mittelaltermusik kommt, meistens meine Geschichte. Es sind ja zum Teil auch Originalmelodien. Da ist es auch wichtig, dass man diesen mittelalterlichen Duktus gut kennt, wie richtige Lieder so angelegt sind. Was die Textauswahl angeht, ist quasi die Sigi hauptsächlich zuständig, und was die Produktion und die Sounds und so weiter angeht ist der Fil zuständig. So ist es verteilt, wobei da aber jetzt die Grenzen nicht so eng sind, dass man sagt, der darf das jetzt nicht oder muss jetzt so oder so. Das mal so für das erste Projekt, das wir zusammen gemacht haben. Früher als der Horn noch dabei war, war es eher so, dass wir da getrennt haben. Da hat also jeder praktisch seinen eigenen Song gemacht und das ist halt auch mehr oder weniger so geblieben. Und jetzt glaube ich, klingt das deshalb auch ein bisserl einheitlicher, weil es auch mehr in einheitlicher produktionstechnischer Hand ist.
RD: Tja eigentlich würde ich die nächste Frage gerne der Sigi stellen!
Michael: Kannst ruhig machen. Da drüben ist sie! Sigi, Du musst kurz herkommen und eine Frage beantworten!
RD: Zwei insgesamt :-)
Michael: Zwei Fragen beantworten, musst aber mal rüber kommen!
RD: Super, ich denke mal diese kannst Du wirklich am besten beantworten! Wie seid Ihr denn auf den Namen Eurer Band gekommen? Ich denke mal, die Frage geht wirklich am besten an Dich :-)
Sigi: Ja, also den habe ich tatsächlich mal geträumt. Als wir bei der ersten Produktion zu "Qntal I" waren, waren wir am Namensuchen und da hab ich den eines Nachts geträumt und bin dann zu den Herren gegangen und habe gesagt, wie findet Ihr den denn - und wir haben gedacht, warum nicht.
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RD: Schön, die zweite Frage kommt auch noch, allerdings erst später am Schluss!
Erzählt mir doch etwas über Euer aktuelles Album "Qntal III". Es hat ja länger gedauert, Eurer Meisterwerk fertig zustellen, als geplant (so an die 8 Jahre)! Hatte das bestimmte Gründe?
Michael: Ja so ungefähr. Wobei wie gesagt die ganzen Veränderungen und auch die Geschichte, dass das mit "Qntal II" zunächst mal so abgeschlossen war dazu kamen. Und auch, dass das immer mit den Lakaien so ein Problem war, auch mit den CD Firmen. Das wurde nicht so gerne gesehen. Und so ging's aber wieder langsam los und dann ist ja Ernst Horn ausgestiegen und Fil kam. Das hat ja auch wieder Zeit gekostet, auch wenn es sehr viele alte Songs gibt, teilweise so 5 oder 6 Jahre alt, ist das Meiste aber eher neuer, oder es hat erst als der Fil eingestiegen ist, einen ernsthaften Zug und eine Richtung bekommen und dann haben wir da ca. ein Jahr lang intensiv dran gearbeitet.
RD: Seid Ihr denn - mal so als kleine Zwischenfrage - auch richtige Mittelalterfans? Sind Mittelalterspektakel, wie z. B. das Kaltenberger Ritterurnier, Euer Ding oder gar nicht Eure Welt?
Michael: Ich kann nicht sagen, dass ich so etwas gar nicht mag. Aber es ist halt so, das man diese Dinge in verschiedener Tiefe erfassen kann. Vieles bleibt bei diesen Mittelalterspektakeln sehr an der Oberfläche, an Äußerlichem, am Verkleiden, die Lust am Verkleiden, am Spektakel sozusagen. Wir spielen hier ja im Spektakulum, hehe. Das ist schon legitim und ok, aber es ist nicht so mein Ding. Es interessiert mich einfach nicht so, nicht weil ich etwas dagegen hätte, aber ich habe jetzt kein besonderes Bedürfnis, als Spielmann durch die Gegend zu laufen. Manchem macht das einfach Spaß, sich als so was zu verkleiden. Mich eigentlich interessiert das Mittelalter wirklich, sagen wir mal ein bisschen hochtrabend von der philosophischen Seite. Mich interessiert da wirklich der geistige Hintergrund, weil ich ja auch sage, das ist unsere geistige Vergangenheit. Wir können die Dinge eigentlich erst begreifen, wenn wir das Mittelalter begreifen. Wir haben jetzt einen aktuellen Fall mit dem Irak. Auch hier ist das Verhältnis zu den Arabern im Mittelalter gelegt worden. Da war im Mittelalter die Kulturnation, Bagdad war die Hauptstadt überhaupt für die ganze westliche Kultur sozusagen. Der ganze Minnesang, selbst die Marienverehrung all diese Dinge kommen aus dieser Ecke. Und weil das vergessen wurde, baut man da ein Feindbild und einen Gegensatz auf, der auf der Geraden zwischen Arabern und Christen überhaupt nicht existiert. Das ist eigentlich die gemeinsame Kultur. Aber übrig geblieben ist nur Unkenntnis und Ignoranz. Und wie eben gesagt, das ist nur ein Beispiel von vielen, wie eine Ignoranz gegenüber der eigenen Vergangenheit und Geschichte zu völligen Fehlinterpretationen der Gegenwart führt. Das sind Dinge, die mich interessieren. Anders herum ausgedrückt, ich kann mir, weil ich mich viel mit der Zeit von vor 800 Jahren beschäftige vorstellen wie lächerlich unsere heutige Weltanschauung in 200, 300 Jahren sein werden! Wenn man dann erzählt, die Welt ist aus dem Urknall entstanden, bin ich mir sicher, dass man sich da totlacht. Das ist wahrscheinlich genau so, wie wenn man damals gesagt hat, die Erde ist eine Scheibe. Und so wird es mit vielen Dingen sein, die uns jetzt ganz geläufig sind. Wenn man das sieht, dann relativiert sich vieles, versteht man vieles und wird man auch letztendlich toleranter, weil man sich sagt: na gut, das ist eine Momentaufnahme, das ist jetzt unser Wissensstand im Moment, aber ob der in 100 Jahren auch so sein wird, das ist sehr fraglich!
RD: Das stimmt, gerade mit dieser Engstirnigkeit und Intoleranz heutzutage!
Michael: Ja, ja und dann kommt natürlich auch dazu, das betrifft noch die Frage von vorher, was auch auf die Leute von Mittelaltermärkten kommt, dass diese Oberflächlichkeit natürlich auch die Sachen falsch wahrnimmt. Zum Baispiel der Glaube an Gott, also das religiöse Paradebeispiel des Mittelalters, das übersetzt man jetzt so eins zu eins, man tut jetzt so, als wäre es dasselbe, als wenn man heute an Gott glaubt. In Wirklichkeit bedeutet es etwas völlig anderes. Heute ist das eine Anschauungssache. Ich kann sagen, ich glaube an dieses, ich glaube an jenes, ich bin Buddhist, ich bin irgendetwas. Ich kann das frei entscheiden. Damals war des eher eine Auffassung, also eine naturwissenschaftliche Weltsicht. Es war so, als ob ich heute sagen würde, die Gravitation ist ein Naturgesetz. Ich kann ja auch nicht sagen, Du ich glaub daran oder vielleicht auch nicht, ich probiere das mal aus und springe aus dem Fenster, vielleicht funktioniert es ja, ah es geht nicht! Und damals war's für die Leute genau gleich! Man konnte sich nicht gegen Gottes Willen auflehnen, es war undenkbar. Diese Idee, dass man sich dagegen auflehnt, war einfach nicht im Gedanken, in der Gedankenwelt des mittelalterlichen Menschen und deswegen, das muss man alles verstehen. Also man muss gar nichts, aber man kann es und wenn man es versteht, hat man mehr davon! Dann genießt man es mehr, haha!
RD: Wie würdet Ihr die Musik auf diesem Album beschreiben, vor allem wenn Ihr es mit den Vorgängern vergleicht? Wie Du ja schon gesagt hast, sie ist einheitlicher, als auf den Vorgängern.
Michael: Ja, also nicht, weil ich jetzt den Vergleich scheuen würde, aber ich mag Vergleiche eigentlich generell gar nicht so gerne, weil was sagen Vergleiche eigentlich aus? Vergleiche sagen über die Qualität, also ich meine jetzt nicht über gut oder schlecht, sondern über das Wesen, über den qualitätsmäßigen Kern einer Sache eigentlich überhaupt nichts aus. Ich würde sagen, ich hab's vorher schon mal gesagt, dass es eine melancholische Musik ist, aber keine Depri-Musik und das finde ich ziemlich gut ausgedrückt. Es hat sehr viel mit Gefühl, sehr viel mit Melancholie, auch mit Trauer zu tun. Sagen wir mal mit einer gewissen Weite. Es ist nicht alles so sehr direkt, es ist mehr indirekt, es lässt Platz für Fantasie, lässt Raum und das schafft dann wiederum die Möglichkeit, dass sich emotionale Türen quasi beim Zuhörer auftun und das ist eigentlich das Ziel der ganzen Sache und ich glaube, dass das schon ziemlich gut erreicht ist.
RD: Definitiv! Ihr habt ja für das Album jede Menge verschiedene Sprachen benutzt, ich glaube 6 an der Zahl, wenn ich mich nicht irre.
Michael: Da hast Du besser gezählt als ich! Das glaube ich Dir jetzt mal!
RD: Also es kann durchaus sein, dass ich mich auch geirrt habe!
Michael: Ich sage nicht das Gegenteil, ich weiß es wirklich nicht, hehe. Kann schon sein, kommt schon hin, denke ich! Was haben wir da, also Französisch, Lateinisch, Althochdeutsch, Galizisch, was haben wir denn noch, Altenglisch - genau, jetzt haben wir fünf, bringen wir noch was..?
RD: Na ja, ist doch ziemlich nah dran. Hattet Ihr denn besondere Gründe, warum Ihr das gemacht habt?
Michael: Hm, also das ist so alte Tradition. Im Mittelalter da gab's ja keine Nationen in diesem Sinne, es gab ja keine wirklichen Unterschiede dazwischen, also jetzt so vom Selbstverständnis gesehen. Nationalitäten kamen erst viel später auf, also wenn dann gab es so eine Art Clan und Stammeszugehörigkeit und das ist einfach international, dieser ganze äh, Mittelalterliche Betrieb. Übrigens auch nach Quellen ist es so, dass zum Beispiel ein Lied, das eindeutig von einem bestimmten Troubadour ist, sagen wir mal aus Lille in Nordfrankreich, dieses Lied nachweislich ein Jahr später in vielen anderen Ländern aufgetaucht ist. Das heißt, die Mobilität war auch wesentlich höher, als man sich das heute vorstellt. Es war nicht so, dass die da irgendwie bloß im Kreis spazieren gegangen sind, sondern sehr weit gereist sind, haben gar großen Austausch untereinander gehabt, die ganzen Kulturen. Und es haben die meisten Leute auch sehr viele Sprachen gesprochen, also drei, vier oder fünf Sprachen, das war selbstverständlich und insofern beantwortet sich die Frage dann eigentlich letztendlich selbst!
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RD: Ich habe auch gelesen, dass für Euch Farben gerade auch bei der Realisierung einer Bühnenshow eine große Rolle spielen! Und es zeigt sich ja auch an Eurem neuen Album, es ist ja ganz in grün gehalten, ich denke mal zum Thema natürlich passend, ist das auch der Grund warum Ihr grün gewählt habt?
Michael: Ja also, das ist eigentlich auch Sigis Idee gewesen, weil ja ein Kernpunkt in Tristan und Isolde der Wald ist, in dem eigentlich die Begegnung stattfindet. Und überhaupt ist der Wald auch das Symbol für das Unbewusste. Letztendlich ist er auch ganz klar das Symbol für die Dunkelheit und das nicht Klare und deswegen ist da grün gewählt. Ja es hatte also etwas symbolhaftes!
RD: Schön! Ja, zum Abschluss hätte ich eigentlich noch eine direkte Frage an jeden von Euch persönlich!
Von Dir (Sigi) wüsste ich ganz gerne, ich habe über Dich gelesen, dass Du…
Michael: Aber nicht zu schwierig für die Sigi, gell haha :-)
RD: Nein, nein haha! Von Dir habe ich gelesen, dass Du dich sehr für fremde Kulturen interessierst. Gibt es denn da eine spezielle, die Dich am meisten interessiert?
Sigi: Hm, nein eigentlich nicht. Es sind zum Teil eben auch die alten Kulturen und das wechselt sehr. Also im Moment interessieren mich gerade die niederländischen Maler des 16. Jahrhunderts, aber das wechselt immer und hat auch oft mit den Themen zu tun, die wir auch gerade behandeln. Ich suche auch immer das ganze Bildmaterial raus, auch für unsere Werbebroschüren und beschäftige mich da auch immer wieder mit!
RD: Realisierst Du es denn dann auch, bereist Du solche Orte, die Dich interessieren?
Sigi: Wenn möglich ja, da ich aber eine gewisse Flugangst habe, bin ich noch nicht über Europa hinausgekommen, haha. !
RD: Nun, haha da bist Du definitiv nicht alleine mit. Super, hab vielen Dank!
Ja, als zweites noch eine Frage an Dich, Michael. Ich habe gelesen, dass Du Dich sehr gerne mit Astronomie und dem Sternenhimmel an sich befasst! Interessiert Dich denn daran mehr die wissenschaftliche Komponente oder eher die - ich möchte mal sagen - mystische?
Michael: Eigentlich die wissenschaftliche Komponente, aber das ist eben eine Unterscheidung, und da sind wir wieder am selben Punkt, diese Unterscheidung, die gibt es gar nicht! Also wissenschaftlich ist auch sehr mystisch. Gerade deswegen ist es so interessant. Gerade in der Atomphysik sind gerade im Wissenschaftlichen die Geheimnisse, also bloß ein blödes Beispiel, populärwissenschaftlich die Unschärferelation. Heisenberg hat festgestellt, dass die Materie, die für uns so begreifbar ist, letztlich im Tiefsten keine Materie ist und das ist ein Mysterium. Keiner weiß, wie das dann funktioniert und wie das dann ist, oder das es einmal ein Teilchen, einmal eine Welle ist. Dieser Dualismus, bzw., dass es ein Dualismus zwischen Welle und Teilchen, zwischen Energie und Festzustand ist, das sind so Dinge, da wird es äußerst mystisch. Wenn man mal die Sachen genau anschaut, dann ist es einfach mystisch, da muss ich gar keine bemühte Mystik von Elfen oder Hexen dazu erfinden, das ist schon an für sich ziemlich mystisch. Aber das interessiert mich einfach so hobbymäßig. Ich finde das sehr interessant. Da kann man so sehr in die Tiefe gehen, und dieses Feld ist so sehr unergründbar und genau wie das Mittelalter, letztlich steht dahinter die Mystik, das stimmt schon. Also dahinter ist so etwas Unerklärbares. Mich würde es nicht so sehr interessieren, wenn man das wirklich vollkommen erfassen könnte, dann hätte man gesagt ok, das weis ich jetzt und basta, das würde, glaub ich, keinen besonderen Reiz für mich darstellen.
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RD: Also kann ich quasi wirklich davon ausgehen, wenn ich sage, in tiefer Dunkelheit einen klaren sternenbedeckten Himmel zu beobachten, bedeutet Dir viel?
Michael: Ja, ja auf jeden Fall, ich bin Fisch von Sternzeichen, der hat ja von Haus aus so einen Fable für solche Dinge, ne!
RD: Schön, super. Als letztes nun auch zu Dir, Fil. Über Dich habe ich gelesen - wie könnte es denn anders sein - du hast ja wahrlich ein breites Spektrum an verschiedenen Musikstilen gemeistert. Glaubst Du, dass Du Dich jemals auf einen bestimmten Stil festlegen wirst oder ist gerade die stetige Abwechslung der Tropfen Öl in das Getriebe der Kreativität?
Fil: Also, so lange es da keine Gewissenskonflikte irgendwann gibt, dass Du einfach irgendwann aufgrund deiner Produktion zu tief in der Szene drin bist, als dass du jemand verschrecken könntest oder so was - man kennt ja solche Geschichten - brauche ich das eigentlich! Denn ich habe ein tierisches Output, was ich auch irgendwo immer so ein bisschen lokalisieren muss. Dann teilweise einfach mal auch das Ganze ad acta legen und dann wieder etwas Neues anfangen, das ist bei mir so ein innerer Trieb. Das muss ich auf jeden Fall erst mal außen durchziehen. Aber irgendwann wird es einfach aufgrund der Arbeit und auch aufgrund der Komplexität an der Geschichte, jetzt zum Beispiel auch Qntal ...
Michael: Und das Alter, hehe!
Fil:Ich denke früher oder später wird sich dann ein gewisser Stil finden, bei dem ich dann wahrscheinlich erst mal bei bleibe. Aber das soll nicht heißen, dass ich als Rentner dann nicht immer noch mal ein Chillout-Album mache, hehe. Aber meine Roots merkt man eigentlich auch immer wieder, also auch wenn es nicht gerade mal eine Metal Produktion ist, die ich betreue, merkt man doch irgendwo auch, da hat einer auch ein Gefühl für so etwas. So sehr beschränken auf einen Stil ist für mich auch so ein bisschen naja, es kann zwar für gewisse Sachen hilfreich sein, aber teilweise engt es mich dann auch zu sehr ein. Ich brauche auch Farben, die verschiedenen Energien, der verschiedenen Musikstile einfach.
Michael: Das ist ja auch so mit Qntal. Wir sind ja im Grund auch offen für verschiedene Stilrichtungen, trotz der Einheitlichkeit sind ja verschiedene Stile drin. So gesehen kann man das auch noch ausbauen, es könnte noch irgendwie unterschiedliche Aspekte haben, also je nach Album vielleicht auch. Das kann man noch alles überlegen, es ist ja auch ein großer Vorteil, dass wir offen sind! Also Offenheit ist, glaube ich, sehr sehr wichtig.
RD: Das ist auch meine Meinung, auch wenn ich hauptsächlich härtere Musik höre, bin ich genauso offen für Dinge wie Qntal!
Fil: Also wenn man wirklich ein kreativer Mensch ist, der von Herzen das auch macht, dann sollte man sich da nicht zu früh zu sehr einschränken, weil einem dann einfach auch eine gewisse Komponente fehlt, denke ich mir.
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RD: Gibt es denn trotz allem eine Art von Musik, die Dir besonders viel bedeutet? Du hast es ja eigentlich schon angedeutet!
Fil: Die härtere Fraktion ist auf jeden Fall ein Ding, was ich auch immer tagtäglich mal brauche. Aber Klassik ist natürlich auch ganz immens wichtig und ja, das ist es eigentlich so…Was so aus England an elektronischen Geschichten kommt, so wie Futursound of London oder so etwas, das ist für mich natürlich auch faszinierend, aber die Gitarrenroots sind schon wichtig für mich, die will ich eigentlich auch nie missen!
RD: Nun ist ja auf diesem Album auch zu hören :-)
Fil: Ja ganz klein, da hab ich ganz vorsichtig mal etwas versucht und ich wusste gar nicht, ob das beim Michael so ankommt. Da war ich erst mal ein wenig erwartungsvoll, als ich ihm die "Maiden In The Moore" zugeschickt habe und dachte, kommt da jetzt ein wütender Anruf von dem Meister?
Michael: Hm, ich denke schon, dass man da ruhig mal etwas riskieren sollte. Ich meine, das ganze Projekt ist ja - das ist der große Vorteil, wenn man sich mit Mittelaltermusik beschäftigt. Man hat im Grunde doch eine größere Offenheit, weil das Band doch so eher die Stimme und die Melodie ist und was man dann dazu arrangiert, das ist eigentlich schon relativ offen, also da kann man schon auch mal ganz andere Möglichkeiten wählen, wie es auch zum Beispiel andere Gruppen machen, die dann zum Beispiel, eben mehr in die Metalrichtung gehen, so was gibt's ja auch!
RD: Perfekt! Dann bleibt mir nur noch vielen, vielen Dank zu sagen für die viele Zeit. Es hat mir wirklich Spaß gemacht, war wirklich schön!
Michael: Wir hätten ja auch nur so rumgehangen, haha!
martin
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