Interviews      Onkel Tom - Wacken 2002


  

Eine geschlagene dreiviertel Stunde hatte ich dieses Jahr auf dem Wacken Open Air Part 13 das Vergnügen mich mit Tom Angelripper alias Onkel Tom zu unterhalten. Selten, dass man bei einem Interview auf einen wirklich so netten und ausgeglichenen Menschen trifft, bei dem Zeit eigentlich überhaupt keine Rolle spielt. Auch wenn seine Musik nicht unbedingt das Meine ist, bei unserem Besuch am nächstgelegenen Bierstand danach kam das Vergnügen nicht zu kurz.
Aber lest selbst!



  



  

Zunächst einmal natürlich herzlich willkommen auf dem Festival der Festivals. Mittlerweile bist Du ja schon sozusagen ein Teil davon. Hat es immer noch den Reiz des ersten Males für Dich behalten?

Das is ne gute Frage ähm ich würd schon sagen eigentlich ja. Es war natürlich am Anfang n bisschen kultiger, da wurde uns schon, also speziell Onkel Tom gestattet Leute aus dem Publikum zu holen, davon lebt eigentlich diese Show und das wurde dann im Laufe der letzten paar Jahre verboten und dadurch hat die Show ein bisschen gelitten, dat find ich natürlich nich so gut. Auch wenn Du sagst klar, Leute auf die Bühne, aber nur die, die sowieso im Backstage sind, das sind aber nich die Leute, die da gerne drauf wollen. Man sollte schon in gewissem Rahmen Leute auf die Bühne lassen aber na ja, klar.. Aber wir machen’s trotzdem immer, wir ziehen’s einfach durch halt... aber...ja es war schon mal besser.


Das heißt, die Entfernung von den Fans ist in diesem Sinne dadurch größer geworden?

Viel zu groß ja! Normalerweise müsste Onkel Tom in so nem Zelt spielen, wo dat dann egal is ob die Leute auf die Bühne kommen oder nich, ne! Und Erfahrungsgemäß is nach vielen Shows mit Onkel Tom noch nie wat passiert, es passiert auch nichts normalerweise, wenn dir einer vor die Fresse hauen will, der macht dat so oder so. Die Leute wollen auf die Bühne kommen, wollen mitsingen, kriegen halt n paar Bier umsonst und fertig. So is dat. Das is die einzige band weltweit, die gestattet Leute auf die Bühne zu lassen, soviel wie Platz is. Und diesen Status muss man auch in Wacken versuchen zu halten, aber hier is das nich richtig möglich, ich versteh das schon, der Security der kann da auch nich für!


Du bist ja sowohl solo als Onkel Tom, als auch mit Deiner Band Sodom hier aufgetreten. Schaffst Du es denn noch die beiden zu trennen? Songmäßig zum Beispiel?

Auf jeden Fall. Erst mal sind das zwei verschiedene Bands. Der Bobby, der Sodom Trommler, der trommelt nich mehr bei Onkel Tom, der hat gesagt er will sich auf Sodom konzentrieren, das is mir zuviel, wir ham jetzt n anderen, den Schlagzeuger von Desperados für diese Show hier und müssen dann mal sehen wie es weiter geht. Ich trenn das schon ganz strickt halt, das eine hat mit dem anderen nix zu tun, natürlich kann ich meine Wurzeln nich verbergen, beim Singen hört man dass. Es is aber n ganz anderes Ding, ich trenns halt und is gut, dass der Bobby von Sodom der Schlagzeuger nich mehr dabei is, damit wirklich die Trennungsschiene exakt is weist Du!


Ganz klar! Aber von den Fans her gesehen denke ich, dass viele Sodom Fans unter den Onkel Tom Fans sind!

Ja und umgekehrt natürlich, aber es gibt auch welche Sodom Fans, die sagen Onkel Tom mag ich nich oder umgekehrt gibt’s die auch. Ich kenn Onkel Tom Fans, die finden Sodom scheiße. Das is auch gut so, weil die differenzieren das halt. Aber der größte Teil findet beides natürlich gut, die sind dann Fans in erster Linie natürlich von meiner Person und ich find das auch gut ne!

  



  

Was hat Dich denn eigentlich überhaupt dazu veranlasst das Soloprojekt Onkel Tom zu gründen?

Ja, hm wie ich schon grad gesagt habe, ich will versuchen alle metal Lager, die es gibt, alle verschiedenen Musikstiele in dem Bereich zu vereinen. Das man sagt, es ist scheißegal - das war früher so wenn du auf nem Motorhead Konzert warst, Saxon, Iron Maiden alle haben sich in den Armen gelegen, heute gehen die Gothic da, die Speedmetaller hören dat, das gab’s früher ja alles gar nich - Früher ham se alle gerne AC/DC gehört!


Also eine Einheit?

Genau diese Einheit haben wir versucht, wir machen da Musik, Sauflieder mit deutschen Texten, klar die sie alle kennen, da sie alle gerne Bier trinken. Unabhängig von welchem Lager und vielleicht klappt’s dann, dass sich in dem Moment alle in den Armen liegen, zum Schluss dann vom Konzert in Wacken zum Beispiel, dass se alle sagen egal, der nächste nimmt den anderen und schunkelt oder gibt Gas, bangt oder, oder, oder und dass ist Sinn und Ziel von Onkel Tom und hat auch gefruchtet. Also man sieht bei Onkel Tom Konzerten Leute aus unterschiedlichen Lagern, auch Leute, die gar nicht aus dem Metalbereich kommen, man sieht schon viele Leute aus ganz anderen Bereichen, sogar ältere Leute und dat is schön. Und ich denk da in erster Linie gar nicht an den kommerziellen Erfolg oder so. Das is wat ganz anderes, es muss einfach Spaß machen, Onkel Tom macht mir einfach Spaß und die Sodom Fans werden es mir verzeihen. Ich bin halt einer, der gern mit den Leuten zusammen arbeitet, zum mitmachen animiert. Ich renn auch rum und geb Autogramme und bin auch kein Rockstar, das will ich auch damit bezwecken, die meisten sind Rockstars „ne ich geh da nich rum..“, ich bin da auf dem Gelände gelaufen, ich hab Autogramme gegeben mit Leuten ein Bier getrunken, mit Leuten wie Du und ich, ich will sagen, dass ich kein Rockstar bin, obwohl ich auf der Bühne stehe, aber wenn’s vorbei is, dann geh ich runter und trink mit den Leuten einen.

Kann man dann eigentlich pauschal sagen - eigentlich hast du diese frage ja schon fast mitbeantwortet - dass es sich bei Onkel Tom um in „in das richtige Format“ gebrachte Sauflieder handelt?

Ja, ja ja. Is natürlich auch nich nur Sauflieder, wenn man die Texte liest sind da auch kritische Anmerkungen, diese Sache lass ich da natürlich auch mit einfließen, die meisten Coverversionen von den ersten beiden Alben zum Beispiel sind halt Volksweisen, Traditionals, die man so kennt, da darf man auch den Text nicht verändern. Das is immer ein Problem, wenn man Musik von nem anderen Komponisten covert und den Text verändert, dann gibt’s Ärger. Muss nicht, aber meistens passiert es so. und wir versuchen ne Gradwanderung zu machen zwischen Coverversionen und Traditionals, die lassen wir so und auch eigenen Songs


Also eine gute Mischung?

Ja, ja auf jeden Fall, wir haben auch schon ein neues Album in Planung und da kommen auch mehr eigene Sachen drauf, weil ich hab noch n paar Sachen zu sagen, es gibt halt Sachen die gehen mir auf den Sack, die kann ich im Deutschen gut ausdrücken, nicht unbedingt in der band Sodom, aber dafür ist Onkel Tom sehr gut geeignet.


Trotz allem ist also Sodom auf jeden Fall nach wie vor Deine Hauptband?

Nach wie vor, ja ja. Ja gut, Desperados war ein Projekt, die band gibt es ja auch noch irgend wie, wir haben sogar eine zweite LP noch aufgenommen, aber wie es ja leider so ist, gibt es keinen Plattenvertrag. Gibt’s keinen deal kommt die band ja auch nicht weiter. Ist natürlich sehr tragisch, vor allem für die anderen von Desperados, der Alex zum Beispiel, aber ich hab ja immer noch Sodom und Onkel Tom. Obwohl bei Onkel Tom zur Zeit auch kein deal is, is ja heut mit nem Plattenvertrag nich mehr so einfach. Sodom - klar ist kein Problem, sind ja Sachen, die kann man machen, die laufen ja einigermaßen. Die nächste Onkel Tom wollen wir dann in Eigenproduktion selber vorfinanzieren und dann kriegen wir auch nen deal, keine Frage. Schade, dass es mit Desperados nicht geklappt hat, aber es ist auch so, dass drei Bands für mich auch schon ein bisschen viel wurden, ich bin jetzt nich mehr so bei Desperados, wie man das so meint, weil Desperados sollte eigentlich ein Projekt sein. So nach dem Motto ich mag Western, also machen wir ma so n Ding halt. Es hat aber leider nich gefruchtet. Das is halt dann Buisines, wenn man keine Unterstützung, keinen Support, keine Promotion, keine Konzerte hat, dann gibt’s halt nix. Das ham wir bei Desperados am eigenen Leib erfahren, dann läuft’s halt nich. In der heutigen Zeit muss halt jedes Jahr ein neues Album, Du musst auf tour sein, Du musst präsent sein, Shirts, Du musst immer mal auftauchen, sonst bist Du ganz schnell weg. Das war früher auch nicht so


Was bedeuten Deine Bands denn eigentlich für Dich? Nur Musik oder eine Art Lebensgefühl.

Ja Sodom is schon Lebensgefühl, natürlich


Also Heavy Metal allgemein?

Ja, ja natürlich is das mein Leben. Ich bin jetzt aber auch nicht jemand, der den ganzen Tag Heavy Metal schreit zu hause. Aber es hat mich geprägt und es ist wie mein Blut, ja diese Musik, ich leb immer noch diese Musik, ich kann mich auch mit anderen Sachen nich anfreunden, ich bin immer noch einer, der die alten Sachen raus holt, wie früher Exiter und Venom und was weiß ich nicht alles, Raven...


Klassiker also?

Genau! Ich bin so n ewig Gestriger halt, ich bin einer, der gar nich so genau weiß, was an Neuerscheinungen raus kommt, damit bin ich überfordert Früher war ich n Experte in Sachen Metal, heute bin ich damit komplett überfordert!


Ich denke auch dass Metal ein Lebensgefühl ist!

Ja, aber Du kannst ihn nicht immer ausleben im Alltag, dass weiß aber nich jeder, auch n Rockstar nich, aber trotzdem es dreht sich alles immer um die Musik in meinem Leben, das is ja klar, ob zu hause oder woanders.


Ich denke auch, dass das sehr wichtig ist. Wie stellst Du Dir die Zukunft vor, werden wir noch mehr von Onkel Tom zu hören bekommen? Natürlich immer unter den Gehsichtspunkten, die Du gerade gesagt hast, mit Eigenproduktion?

Ja, gut ja, je nach dem halt auch, ob die band kommerziell genug ist um einen Plattenvertrag zu bekommen ne. Aber ich denk mal da arbeiten wir dran, das dürfte kein Problem sein wir haben sehr gute Ideen, sehr gute Titel


Und natürlich auch gewisse Beziehungen - durch Sodom natürlich?
Ja natürlich die Erfahrung bei Sodom hilft mir bei jeder anderen band sicherlich auch weiter und wir wollen auch noch mal ne Tournee machen jetzt, hätte ja eigentlich damals mit JBO klappen sollen, aber da hat die Plattenfirma nich mitgespielt, die war der Meinung das passt nich, Onkel Tom und JBO. Ich find aber das passt selbstverständlich, die haben uns angefragt und dann gab es keinen Toursupport und so, jetzt will halt auch keiner mehr investieren heute, da muss ne band laufen entweder läuft sie oder es is vorbei. Früher hat man an ne band geglaubt, auf längere Sicht auch, heute is es so, du krichst n deal für ein Jahr und wenn das nich läuft dann biste weg! Aber auf jeden Fall mach ich mit dem Alex ein Album und überhaupt keine Frage, das kriegen wir auch schon runter. Und notfalls verkauf ich die selber! Es gehrt nich immer um verkaufen, aber man muss halt ne Platenfirma und nen Vertrieb haben um se möglichst weit zu verstreuen.


Nun das geht schon in Richtung meiner nächsten Frage an Dich, wie sieht es denn mit dem Erfolg im Ausland aus, bist Du dort mit deutschen Texten auch erfolgreich, oder eher in Deutschland selbst?

Größtenteils natürlich in Deutschland. Aber es gibt so viele Sodom Fans in der ganzen Welt, selbst in Amerika, selbst in Russland, die sich auch die Onkel Tom Platten besorgt haben, als Import für teures Geld. Die sagen wir lieben Onkel Tom, wir lieben den Tom, wie der singt, wie der Musik macht, wie der Bass spielt. Die kaufen das natürlich auch, ne und finden das alle geil ne. Onkel Tom is aber eigentlich für den deutschsprachigen Raum konzipiert, obwohl die Texte aber auch Engländer verstehen irgendwie, die wissen worum dat geht ne, aber es is halt nich unbedingt auf den internationalen Markt konzipiert, halt allein durch die deutschen Texte, aber trotzdem viele Fans im Ausland!


Sehr schön! Wie und mit welchem Alter bist Du eigentlich in die Metal Szene gekommen, wie sah es mit Deinen ersten Alben und Deinen Einflüssen damals aus?

Oh ganz früh, 12, 13! Meine Schwester, die hat, da war ich noch kleiner so Sachen schon gehört, das war schon fast Metal, ja, kann man ja schon fast Metal zu sagen. Und dann hab ich eigentlich angefangen mit Rainbow, Deep Purple, AC/DC, das war so eigentlich der Anfang.


Kein Maiden?

Ach Maiden kam eigentlich erst viel später, aber ein wirklich großer Maiden Fan war ich eigentlich nie, muss ich ganz ehrlich gestehen. Nich so wie zum Beispiel Motorhead, auch heute noch. Von Motorhead hab ich alles gehabt und hab ich noch. So die Anfänge die klassischen Lieder halt. Und dann natürlich auch Sachen wie Led Zeppelin, mit denen ich früh angefangen hab. Ich hab allerdings nie Sachen wie Beatles oder Stones gehört. Nie wirklich.


Also immer etwas härter?

Ja, ja es war für mich hart damals, ne! Und dann die große Wende kam natürlich mit Venom ne, Welcome to Hell, da kam die große Wende für mich.


Ja gut, das war’s eigentlich soweit, was ich gerne von Dir wissen wollte. Irgend etwas was du zum Schluss Deinen Fans noch mit auf den Weg geben möchtest?

Nun wenn die Fans dat lesen oder hören werden, dann is das Konzert ja schon vorbei - ich hoffe dann, das es gut war, dass es Euch gefallen hat. Ich denke mal ich kann mich nur bei jedem bedanken, der sich für die Musik interessiert und die nächste Onkel Tom wird kommen und dat wird n Hammer Ding, da bin ich mir ganz sicher, was also jeder Musiker so sagt: die nächste, die nächste...haha. Es gibt ein neues Sodom Album sicher und wir werden sehen, was mit Desperados wird, es wird da schon was geben und wir versuchen immer präsent zu sein.
Ich wünsche allen Gesundheit, Glück....


Nun das werden Eure Fans mit Sicherheit zu würdigen wissen! Vielen Dank für die wirklich lange Zeit, die Du dir für das Interview genommen hast, jetzt wird es aber Zeit für ne kleine Erfrischung! Auf zum nächsten Bierstand!



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