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Cybele
Interaktiv
Cybeles Line Up war noch nie sonderlich stabil, wodurch heute nur noch Elisabeth Østeby das einzig verbliebene Gründungsmitglied ist. Neuzugänge sind bei den Norwegerinnern demzufolge nichts Spektakuläres. Allerdings hat sich nun ein Y-Chromosom eingeschlichen, wodurch Cybele nun nur noch fast exklusiv aus Frauen besteht.
Der Glückliche, welcher mit den drei gut aussehenden Damen in einer Band spielen darf, heißt Ronny Sveen. Neben dem Bass bedient er die Synthesizer und nimmt auch diverse Programmierungen vor. Die charmante Gitarristin Elisabeth Østeby stört es wenig, nun einen Mann in ihren Reihen zu haben. Ironisch und sanft lachend gibt sie zu Protokoll: "Ein Mann ist Ronny nun wirklich nicht! Er ist eher unser kleiner Junge. Eigentlich ist es eher dem Zufall zuzuschreiben, dass Cybele in der Vergangenheit bisher nur aus Frauen bestand. Ich denke Ronny mag uns und hoffe, dass wir nach Jahren der immerwährenden Besetzungswechsel nun eine festes Line Up haben."
Die Tatsache, dass für Schlagzeugerin Monica Ruud kein Ersatz engagiert wurde, hat weniger mit einer erfolglosen Suche nach einem neuen Musiker, als mit der abgeänderten musikalischen Ausrichtung Cybeles zu tun. Das aktuelle Album INTERACTIVE PLAYGROUND ist um einiges elektronischer als die beiden Vorgängerveröffentlichungen ausgefallen, was sich nicht zuletzt in der Verwendung eines Drumcomputers äußert. "Wir wollten unser Klangbild verjüngen. Deshalb sind nun auch viele Samples und allerlei Electronica mit auf der neuen CD enthalten", stellt die Norwegerin klar. "Überdies war uns auch die Ergänzung durch Akustikgitarren sehr wichtig, wodurch die Lieder einen offeneren, luftigeren Klang erhielten. Wir wollten das klassische Rockinstrumentarium erweitern und die Arrangements so locker wie nur irgend möglich halten. Dies gelang uns dadurch, dass wir jedem Instrument einen eigenen Schwerpunkt gewährten und nie alle Tonwerkzeuge gleichzeitig ertönen ließen."
Mit einem verschmitzten Lachen gibt Elisabeth zu, dass Cybele schon mit Absicht kommerzieller klingen wollen, denn ihrer Meinung nach hätten ein paar mehr verkaufte CDs noch niemanden geschadet. Gerade das Debüt BRIGHTLY BLACKHEARTED erinnerte noch an eine härtere, modernere Version von Siouxsie And The Banshees. Mittlerweile ist man bei rockigem bis luftigen Indie angelangt, der einen leichten Hang zum Pop aufweist. Die Songs sind ungemein clever und filigran arrangiert, wodurch die Ecken und Kanten der ersten beiden Veröffentlichungen abgeschliffen wurden. Geblieben ist die unterkühlte Melancholie, welche sich mit einem verzagendem Sehnen vermengt und dem Ganzen die nötige emotionale Tiefe verleiht. "Wir wollten uns nie auf den reinen Gothic beschränken. Aber wer weiß, vielleicht wird das nächste Album wieder düsterer ausfallen", droht Elisabeth mit einem schelmischen Kichern. Wie schon erwähnt, ist das neue Album bedeutend subtiler und damit auch weiblicher ausgefallen. Komisch eigentlich, wenn nun auch ein Mann mit von der Partie ist, oder? "Hmmmm", tönt es nachdenklich aus Skandinavien durch den Hörer. "Eigentlich habe ich noch gar nicht darüber nachgedacht. Das liegt sicherlich daran, dass wir uns nun unser Weiblichkeit mehr bewusst sind, seitdem Ronny mit von der Partie ist", dröhnt es mir laut kalauernd entgegen.
Der Titel INTERACTIVE PLAYGROUND kommt nicht von ungefähr, da während des Entstehens des Albums die Hälfte der Band in England weilte. Mit den heutigen technischen Mitteln stellt das Austauschen von musikalischen Ideen kein Problem mehr dar. "Wir schickten uns gegenseitig MP3s über die Nordsee und arbeiteten separat die Ideen des jeweiligen anderen aus. Eigentlich war das Komponieren auf diese Weise auch nicht anders wie sonst. Das Einspielen der Songs fand dann schließlich unter Anwesenheit aller Bandmitglieder in Norwegen statt." Die Idee der vernetzen, global kommunizierenden Gesellschaft und die damit verbundenen Gefahren, wird durch die Abbildung einer Radarantenne im Hintergrund des Albumcovers visualisiert. "In England steht eine riesige Abhöranlage, durch welche E-Mails, Telefongespräche und dergleichen anzapfen lassen. Die Möglichkeit der totalen Kontrolle ist eine Sache, die uns ungemein beängstigt, zumal sie unter dem Deckmantel des technischen Fortschritts nicht immer ersichtlich ist", erklärt eine nachdenklich wirkende Elisabeth abschließend.
Mabon
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