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RD: Nun erst einmal möchte ich Dich zu diesem Telefoninterview willkommen heißen!
Pasi:
Danke schön!
RD: Lass uns doch mit ein paar Fragen über die Vergangenheit von Amorphis beginnen. Als Ihr etwa 1991 begonnen habt, habt Ihr ja ziemlich straighten Death Metal gespielt. Über die Jahre allerdings habt Ihr Euren Stil komplett verändert. Was waren die Gründe dafür? War es nur eine natürliche Weiterentwicklung in Deinen Augen?
Pasi: Ja sicher! Die Sache ist die, wenn Du eine gewisse Zeit und bis zu einem gewissen Punkt Death Metal gespielt hast, kommst Du in dieser Richtung nicht mehr weiter. Wir wollten unsere Musik weiterentwickeln, eine andere Atmosphäre hinein bekommen, um sie für uns interessant zu behalten. In meinen Augen ist es also tatsächlich eine natürliche Entwicklung.
RD: Wie würdest Du die Musik beschreiben, die Ihr heute spielt?
Pasi: Da es Amorphis schon so lange Zeit gibt und wir eigentlich immer unseren eigenen Stil gespielt haben, würde ich es als Amorphis definieren.
RD: Soweit ich weiß, ist der Bandname Amorphis vom englischen "amorphous" (amorph, formlos) abgeleitet. Habt Ihr diesen Namen gewählt, weil es das Konzept der Band ist, nicht in eine bestimmte Form gepresst zu werden?
Pasi: Ich denke, das führt zurück zu den Anfängen. Der Grund, warum wir ihn gewählt haben, ist einfach, dass er zur damaligen Zeit gut geklungen hat. Und das ist immer noch die Art wie wir arbeiten: nicht vorher planen, wie wir etwas machen wollen, bevor wir wirklich damit begonnen haben. Es passiert einfach, dass jeder einen Teil seiner künstlerischen Fähigkeiten in das Geschehen und die Platten mit einbringt.
RD: Lass uns einmal zu Eurem neuen Album "Far From The Sun", das ja nächsten Monat erscheint, übergehen. Wie würdest Du es mit Deinen eigenen Worten beschreiben?
Pasi: Ich würde es als eine Art Zusammenstellung aus der gesamten Karriere von Amorphis beschreiben. Die Band hat nun einen bestimmten Punkt erreicht, ist dorthin gewachsen. Und ich sehe uns nun als professionelle Musiker. Wir arbeiten einfach ernsthafter an unserer Musik. Aber natürlich mit einem Lächeln auf den Lippen, weißt Du was ich meine?
RD: In meinen Augen ist das Album die Weiterentwicklung Eures letzten Albums "Am Universum". Ich würde sagen, es ist härter und mehr rock-basierend, einfach direkter. Würdest Du mir da zustimmen?
Pasi: Ja, auf jeden Fall! Wir haben alle Stücke komponiert, während wir probten. Wir schrieben sie vor allem, wenn wir alte Lieder spielten. Wir schrieben also neues Material, während wir altes spielten. So war es eigentlich ganz normal, dass die Stücke härter und rockiger wurden. Es ist eine Mischung aus dem alten und dem neuen Amorphis. Und da wir so viel spielten und alle Stücke bereits fertig waren bevor wir ins Studio gingen, ist es anders als die restlichen Alben. Auf den anderen Alben zuvor war es oft so, dass wir nur ein paar fertig geschriebene Songs hatten und sie am Ende im Studio geschrieben haben.
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RD: Mein Lieblingsstück der Platte ist der Opener "Days Of Your Beliefs". Ich mag die direkten Rock-Gitarren, die mit großartigen Melodien kombiniert wurden. Worum geht es in diesem Stück? So etwas wie eine Endzeit?
Pasi: Genau! Es ist über das Ende der Welt. Wenn Du Dich etwas umsiehst, es war ein wirkliches Durcheinander in den letzten Jahren, und es wächst die ganze Zeit. Wir werden irgendwann auf den Tag unseres Glauben ("Days Of Our Beliefs") treffen!
RD: Ein wirklich aktuelles Thema also!
Pasi: Ja, das stimmt!
RD: Wie sieht es mit dem Titel Song "Far From The Sun" aus? Soweit ich ihn aufgefasst habe, geht er ums Sterben?
Pasi: Ja, das könnte er. Er ist über dieses kalte Gefühl, wenn man sich verabschieden muss. Es ist eine Art Tür zur melancholischen Welt von Amorphis, die wirklich weit von der Sonne ("Far From The Sun") entfernt ist!
RD: Das ist dann also die Welt, die Du bevorzugst, wenn du komponierst?
Pasi: Das ist es! Ich weiß nicht, vielleicht bin ich eine so eingeschränkte Person, dass ich nichts Gutes in solchen Lalala-Dingen sehen kann, wie dieses glücklich sein, glücklich sein, Freude, Freude…Es berührt mehr, wenn Du es auf diesem melancholischen Weg machst und es berührt vor allem mich, da ich es für mich selbst schreibe. Ich versuche es so zu halten, dass es verschiedene Schichten gibt, dass man die Texte auf verschiedene Art verstehen kann. Dann fängt man nämlich an zu denken und denkt über die Worte nach, um etwas für sich selbst herauszuholen.
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RD: Auf Euren letzten Alben habt Ihr ja nur noch unverzerrte Stimmen und Gesänge benutzt. Ich denke es passt auf jeden Fall zu Eurer Musik, aber könntest Du Dir vorstellen, jemals wieder zum Beispiel verzerrte Stimmen zu benutzen, wie zu Beginn von Amorphis?
Pasi: Ich denke, wir werden diese Art von Musik nicht mehr schreiben, aber wir spielen ja die alten Stücke immer noch live. Die beste Beschreibung ist unsere Setlist, die wir heutzutage spielen. Es ist wie eine gute Mischung aus all unseren Alben. Es sind natürlich auch Songs wie "Black Winter Day" und diese alten Klassiker vom "Tales(From The Thousand Lakes") Album dabei, die wir sehr gerne spielen.
RD: Auf dem Cover befindet sich das Anker-Symbol. Hat es denn eine bestimmte Bedeutung, wie zum Beispiel, dass es das Symbol für Stärke, Kraft ist und das Album ebenso stärker, härter geworden ist?
Pasi: Nun, es gibt da zwei Punkte zu diesem Cover. Wir haben nach einem einfachen Cover gesucht, das die Musik für sich sprechen lässt. Es soll nur wie ein Schlüssel dazu sein, wie ein Schlüsselloch. Und der andere Grund für den Anker auf dem Cover ist, dass wir unsere Vergangenheit nicht vergessen haben und wir immer noch die Selben sind. |
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RD: Genau, stimmt. Ihr habt den Anker ja schon auf den alten Covern benutzt, wie zum Beispiel dem "Tales(From The Thousand Lakes)" Album, nur war er damals etwas versteckter. Dieses Mal habt Ihr ja mit einem sehr bandorientiertem Konzept gearbeitet. Es gab dieses Mal keine Gastmusiker. Denkst Du, dass das im Ergebnis spürbar geworden ist?
Pasi: Es war immer so, dass wir die Gastmusiker in vielen verschiedenen Formen auf unseren Alben hatten. Dieses Mal, da ja die Musik schon komplett geschrieben war und sich absolut vollendet anhörte, brauchten wir so etwas nicht. Wir waren also der Meinung, dass es unnötig wäre, dieses Mal verschiedene Musiker mit einzubeziehen.
RD: Ihr habt für dieses Album zu Eurem neuen Label Virgin gewechselt. Ist das ein wichtiger Schritt für die gesamte Band?
Pasi: Ja, ich sehe es als einen Schritt vorwärts an. Wir haben nun die Chance auf bessere Verträge und bessere Touren, da wir mehr unterstützt werden. Es ist auf jeden Fall ein größeres Label und wir machen eigentlich genau dieselben Dinge, nur die Resultate sind besser. Wir werden ja zu nichts gezwungen!
RD: Was ist Deine Meinung über Eure Zusammenarbeit mit Virgin? Seid Ihr zufrieden?
Pasi: Oh ja, auf jeden Fall. Ich bin mit diesem Label sehr zufrieden. Und es sind dort so viele Leute, die wir schon seit Jahren kennen, die ab und an schon ein paar kleine Dinge für uns erledigt haben und die seit langer Zeit unsere Freunde sind. Nun sind sie unsere Verbindung zu Virgin. Wir arbeiten also immer noch mit den selben Leuten zusammen, nur die Produktion, die gesamte Auflage ist etwas größer - das ist die einzige Veränderung.
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RD: Soweit ich weiß, gibt es einige Projekte von Amorphis-Mitgliedern außerhalb der Band. Kannst Du mir darüber etwas erzählen?
Pasi: Ja, der ganze Rest der Jungs! Nein, nein, Niclas, Santerei und Tomi spielen zusammen in "Verenpisara". Sie singen finnisch und es ist auch ziemlich depressiv. Ich habe da "Ajattara" und "Shape Of Despair". Bei letzterem singe ich nur. Ich bin dort nicht so viel mit in das Komponieren einbezogen. Aber bei "Ajattara" schreibe ich alle Stücke und die Musik. Ich spiele auch das gesamte Album ein, außer dem Schlagzeug und dem Bass.
Und Niclas hat auch noch Moonspell im Studio geholfen, da deren Bassist Sérgio die Band verlassen hatte. Ich habe aber keine Ahnung aus welchen Gründen. Es war eben so, dass wir zusammen im Jahr 2000 durch Amerika getourt sind und zusammen die guten und schlechten Zeiten im Tourbus verbracht haben und so gute Freunde wurden. Moonspell haben auch schon in Finnland aufgenommen und so ist es immer wieder schön, die Jungs zu sehen. Ich denke es war einfach so, dass sie Niclas gefragt haben, da er ein guter Freund ist, wie wir alle. Aber nur für die Studioaufnahmen.
RD: Habt Ihr auch schon Pläne um das neue Album auf Tour zu supporten, vor allem hier in Europa?
Pasi: Oh ja, auf jeden Fall. Wir starten diesen Herbst hier in Finnland. Wir haben ein paar Festivals und eine kurze zweiwöchige Tour hier geplant. Es ist ja ein kleines Land, das kann man in zwei Wochen abdecken. Danach werden wir nach Europa und vielleicht auch in die Staaten kommen.
RD: Und die Festivals hier in Deutschland?
Pasi: Ich habe den Terminkalender noch nicht zu Gesicht bekommen, aber ich warte schon darauf, auf den Festivals zu spielen, vor allem in Deutschland macht es sehr viel Spaß!
RD: In Ordnung, ich hoffe also Euch bald hier in Europa auf Tour zu sehen! Vielen Dank für Deine Zeit und keep on rocking hard!
Pasi:
Pasi: Oh ja, auf jeden Fall! Mach's gut!
RD: Du auch, Pasi!
martin
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